Druckschrift 
1 (1863)
Entstehung
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Sittenspiegel für die Römer; 3) dass sie eine Satire auf die Sitten seiner Lands- leute; 4) dass sie ein Rath an Trajan für(oder gegen) einen Krieg mit den Germanen; 5) dass sie ein Theil der historiae oder eine Zugabe zu denselben; 6) dass sie eine Vorbereitung für dieselben; 7) dass sie eine Sammlung gelegent- licher Bemerkungen über die Germanen sein solle, um alsdann den wahren Zweck eben so richtig anzugeben. Man vergleiche hierüber auch den vorher genannten Aufsatz von Gruber in von der Hagens Germania III, 89. etc. Und in der That auf Jeden, der die Germania mit unbefangenem Blick ansieht, macht sie den Eindruck eines selbstständigen historischen Werkes. Der Zweck ihres Verfassers kann demnach wol kein andrer gewesen sein, als der, seinen Landsleuten das merkwürdige Volk der Germanen zu schildern; aber, so zu sagen, unwillkührlich musste Tacitus bei seiner Unpartheilichkeit und bei seiner sittlich-ernsten Richtung dahin geführt werden, sich über manche Tugenden des eigenthümlichen Volkes bewundernd auszusprechen und den Mangel dieser Tugenden bei den Römern schmerzlich zu beklagen. Nur darf man diese Empfindungen, welche den Schrift- steller gelegentlich bei der Abfassung erföllten, nicht als den eigentlichen Beweggrund zu seiner Schrift ansehn.

Was ferner die Quellen betrifft, aus welchen Tacitus geschöpft hat, so hebt Kritz mit Recht als Hauptquelle desselben die eigne Beobachtung hervor. Zu den von Kritz auf Seite II. bis VI. der Prolegomena gegebenen Beweisen, dass Tacitus die Germanen in ihrem heimischen Leben beobachtet habe, möchte ich noch die Stelle aus dem Anfang des dritten Kapitels der Germania(Fuisse

canunt) hinzusetzen. Hier stellt nämlich Tacitus mit der Ansicht anderer Schriftsteller(quidam... memorant) eine Thatsache(Germani canunt) zu- sammen. Diese Thatsache kann aber, da sie neben der fremden Ansicht auftritt, nur aus eigner Beobachtung geschöpft sein*).

*) Ausser dem, was Kritz auf S. VII. und VIII. der Prolegomena über die weiteren Quellen des Tacitus sagt, ist auch das, was Köpke in seinenDeutschen Forschungen. Berlin 1859 auf Seite 221 226. in Betreff desselben Gegenstandes anführt, sehr zu beachten.