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1 (1863)
Entstehung
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manischen Geistes unsern Schülern im Laufe der Jahrhunderte zu veranschaulichen, ohne irgendwelche Rechtfertigung versäumen.

Nach meiner Ueberzeugung sollten daher Erklärungen der Germania für Schüler nach folgenden Gesichtspunkten abgefasst sein:

1) Dass mit besondrer Sorgfalt darauf gesehen werde, nur solche Gegen- stände, die in der Schrift vorkommen, nicht solche, die entweder in gar keiner oder in einer nur losen Verbindung mit derselben stehen, in den Bereich der Erklärung zu ziehen.

2) Dass die Erklärung der einzelnen Stellen zunächst zwar aus Tacitus selbst, aber, falls dazu Bedürfnis und Stoff vorhanden ist, auch aus den späteren Ueberlieferungen der Germanen entnommen werde.

3) Dass deshalb, während bei anderen Schriften des klassischen Alterthums der Gebrauch der lateinischen Sprache zur Erklärung berechtigt, ja unter Umständen sehr wünschenswerth ist, die Anwendung dieser Sprache zur Erklärung der Germania minder angemessen sein möchte, als die der Deutschen Sprache.

4) Dass neben der Sorgfalt, welche der Erklärung des Einzelnen gewidmet wird, die Aufmerksamkeit darauf gerichtet sei, den Plan der ganzen Schilderung, welche Tacitus mit besonderer Kunst entworfen hat, in seinen Theilen und in deren Verknüpfung darzulegen*).

Wenn ich mich in Bezug auf die Grundsätze der Erklärung mit Kritz nicht einverstanden erklären konnte, so bin ich dagegen in Betreff dessen, was er von dem Zweck, sowie von den Quellen sagt, aus welchen Tacitus geschöpft habe, ganz seiner Meinung. Treffend hat er vorerst die irrigen Ansichten über den Zweck des Tacitus zusammengestellt und verurtheilt, nämlich: 1) dass sie ein Denkmal seiner Liebe und Bewunderung für die Deutschen; 2) dass sie ein

*) Für diese Seite der Erklärung hat zuerst Gruber durch einen Aufsatz über Plan und Zweck der Germania in von der Hagens Zeitschrift Germania III, 74. etc. eine bis jetzt nicht viel beachtete Anregung gegeben. Ohne diesen Aufsatz zu kennen, habe ich in einer kleinen 1857 veröffentlichten Gratulations-Schrift die kunstvolle Gliederung der ersten 27 Kapitel der Germania darzulegen gesucht.