Zeit geschöpft wurde, indem bei dem grossen Wechsel, der nach den Tagen des Tacitus in Deutschland eingetreten sei, aus späteren Jahrhunderten auf frühere Jahrhunderte ein einigermassen sicherer Rückschluss nicht gemacht werden könne; ferner beklagt er auf S. VII. der praefatio, dass man die Erklärung der Germania dazu benutzt habe, um alle möglichen auf die Germanische Vorzeit bezüglichen Notizen, ja sogar Vergleichungen mit Griechen, Persern, Indern und Aegyptern herbeizuziehen. Seine Meinung geht deshalb auf S. VII und VIII. der praefatio dahin, dass wenigstens in einer Schulausgabe der Germania nur ein solches Verständnis in Bezug auf Sprache und Inhalt, welches aus Tacitus selbst gefunden werde, und welches Tacitus bei seinen Landsleuten voraussetze, erstrebt, jede Erläuterung aus späteren germanischen Quellen vermieden werden müsse.
Mit diesen Ansichten kann ich nur theilweise einverstanden sein. Allerdings be- merkt Kritz mit Recht, dass manche Erklärungen der Germania(wohin z. B. auch die Schrift von Rühs über die zehn ersten Kap. der Germania gehören dürfte) nicht sowol dies, als vielmehr an die Germania angeknüpfte Abhandlungen über Germanisches Alterthum sind und sich darum nicht dazu eignen, die Jugend in diese Schrift einzuführen. Ferner ist seine Behauptung, dass bei den grossen Veränderungen, welche in Deutschland stattgefunden, die Verhältnisse späterer Zeiten keinen einigermassen sicheren Rückschluss auf frühere Zeiten gestatteten, in Bezug auf die Wohnsitze vieler GermanischenVölkerschaften ohne Zweifel nicht unbegründet; aber in Bezug auf Sitten und Gebräuche, welche dem ganzen Volk eigenthümlich waren, kann sie nicht auf Geltung Anspruch machen, indem hier eine solche Stetigkeit stattfindet, dass Manches sich bis weit in das Mittelalter hinein, ja sogar noch bis in unsere Tage erhalten hat. Durch Fernhalten der aus späteren Zeiten reichlich fliessenden Erläuterungen würde dagegen das Verständnis der Schrift absichtlich erschwert, ja die günstige Wirkung, dass die Germania auf die folgenden Jahrhunderte und die Geschichte dieser wiederum auf die Germania Licht wirft, würde preisgegeben werden. Wir würden somit eine sich ganz natürlich bietende Gelegenheit, die Stetigkeit und Lebensfülle des ger-


