Unbekanntschaft mit den Sitten und Anschauungen unserer Vorfahren. Um diese Verhältnisse zu verstehen, sind nämlich Vorkenntnisse erforderlich, welche nur durch Studium des Germanischen Alterthums erworben werden können. Ein solches Studium liegt aber unseren Gymnasiasten, die sich vorzugsweise mit dem Alterthum der Griechen und Römer zu beschäftigen haben, in der Regel fern, und daher kommt es, dass dieselben sich entweder gar nicht an die Germania wagen, oder sie nur ganz oberflächlich und deshalb mit geringem Gewinn lesen.— Ja auch viele Lehrer, welche übrigens tüchtige philologische und historische Kenntnisse besitzen, entbehren jener Vorkenntnisse und scheuen sich daher eine Schrift in der Schule zu behandeln, deren Inhalt ihnen in vieler Beziehung dunkel ist. Bei manchen Lehrern dürfte sogar der Grund ihrer Scheu vor der Germania nur darin liegen, dass ihnen die Kenntnis der Hülfsmittel, durch welche die Erklärung der Germania gefördert wird, zur Zeit noch fehlt.
Erfahrungen und Ueberzeugungen der Art haben mich bestimmt, die nach- folgenden Beiträge niederzuschreiben. Sie sollen zunächst den Schülern unseres Gymnasiums, denen die Germania zur Privat-Lektüre überwiesen ist, die zum Verständnis erforderliche Unterstützung gewähren; sie sollen ferner solchen Lehrern, welche sich durch die Schwierigkeit der Sacherklärung bisher abhalten liessen, die Schrift in der Schule zu behandeln, die Hülfsmittel bezeichnen und das Nothwendigste zur Erklärung an die Hand geben.
Wenn ich aber mit dem vorhergenannten Herausgeber der Germania, einem um die Erklärung des Sallust hochverdienten Gelehrten, darin übereinstimme, dass diese Schrift nur deshalb nicht allgemein auf unseren Gymnasien gelesen werde, weil es noch an zweckmässig eingerichteten Hülfsmitteln zu ihrem Ver- ständnis fehle, so weiche ich doch darüber, wie diese Hülfsmittel beschaffen sein sollten, von der Ansicht jenes Gelehrten in bedeutendem Grade ab und halte den Gegenstand für wichtig genug, um darüber einige Worte sagen zu dürfen.
Kritz vervirft, wie er auf Seite VI. der Praefatio sagt, für Schul-Ausgaben
der Germania jede Erläuterung, welche aus Ueberlieferungen und Sitten späterer


