Druckschrift 
1 (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vorwoft.

Unter allen Schriften des Griechischen und Römischen Alterthums ist für uns als Deutsche keine bedeutender als die Germania des Tacitus. Sie ist ein Ehrendenkmal sowol für die Tüchtigkeit unserer Vorfahren, wie für den hohen und unpartheiischen Sinn des Römers, dem in dieser Beziehung kein andrer Mann des heidnischen Alterthums gleichkommen möchte. Darum sollte kein Schüler von unseren Gymnasien abgehn, ohne die Germania, wenigstens den allgemeinen Theil derselben, entweder in der Schule, oder für sich gelesen und wiederum gelesen zu haben. Allein wenn auch diese Ansicht schwerlich von Deutschen Schulmännern ausdrücklichen Widerspruch erfahren dürfte, so fehlt doch viel, dass dieselbe auf den Deutschen Gymnasien in der That allgemeine Geltung gefunden hätte; vielmehr hat Priedrich Kritz wol Recht, wenn er in der Vor- rede zu seiner 1860 bei Schneider in Berlin erschienenen Ausgabe der Germania pag. VI. klagt, dass die von den Gymnasien veröffentlichten Lections-Verzeichnisse in dieser Bezichung bis jetzt nicht befriedigen können. So auffallend diese Erscheinung auf den ersten Blick sein mag, so würde es gleichwol ungerecht sein, daraus für Lehrer oder Schüler einen Vorwurf ableiten zu wollen. Der Grund dieser Scheu vor der Germania liegt nämlich, wie mir dünkt, in den eigenthümlichen Schwierigkeiten, welche die Erklärung derselben bietet. Sie erwachsen nicht sowol aus der Dunkelheit der Sprache, obwol auch die Sprache des Tacitus manches Eigenthümliche und Dunkle hat, als aus der Unbekanntschaft mit den Verhältnissen, welche in der Schrift geschildert werden, aus der

17