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2 (1907)
Entstehung
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29. Die Tiebe und das Glück.(Bel. 1744 A, S. 377.) Einſt ſtritten Lieb und Glück, wer zu der Menſchen Ruhe Das Meiſte ſtets gethan und noch das Meiſte thue. Das Glück ertheilte ſich mit eigner Hand den Preis; Die Liebe hörte zu, und forderte Beweis; 5 Und Cleon ward gewählt, daß ſie gewiß erführen, Wer mehr vermögend ſey, der Menſchen Herz zu rühren.

Das Glück both alles auf, wodurch es ſonſt ergötzt, Was in die Sinne fällt und uns in Wolluſt ſetzt, Wodurch man ſich erhöht und zur Bewundrung eilet,

10 Ward unſers Cleons Hand in wenig Zeit ertheilet. Er ſah ſich groß und reich, von Freunden ganz umzirkt; Denn dieß iſt eine Peſt, die unſer Reichthum wirkt. Durch Pracht, Bequemlichkeit und Überfluß in allen Beſtrebte ſich das Glück, dem Manne zu gefallen.

15 Ein Bau von ſtolzer Art ſchloß ihn in Marmor ein, Sein Zimmer ſchien ein Thron, ſein Haus ein Schloß zu ſeyn, Und täglich wuchs die Zier der ſchon geſchmückten Wände Noch durch der Maler Witz, und durch der Künſtler Hände. Von dem, was ſchmackhaft iſt, in Fluren, See und Wald,

20 War ſein beladner Tiſch ein reicher Aufenthalt, Und zu dem beſten Trank, zu ſüſſer Weine Menge Ein Schenktiſch ſtets zu klein, viel Keller oft zu enge.

Das Glück und die Liebe.(3. Buch, Nr. 27.) Einſt wollten Lieb und Glück ſich ſichtbar überführen,

Wer ſtärker ſey, des Menſchen Herz zu rühren;

Und Semnon, wie die Sag' erzählt,

Ein Mann, der oft das Glück um ſeine Gunſt gequält,

5 Ein Mann in ſeinen beſten Jahren, Ward, um an ihm es zu erfahren, Vom Glück und von der Lieb' erwählt.

Das Glück bot alles auf, was je der Menſch geſchätzt. Was ſeine Sinne rührt, was je ſein Herz ergetzt,

10 Wodurch der Stolz ſich hebt und zur Bewundrung eilet, Ward von der Hand des Glücks dem Semnon itzt ertheilet. Er ſah ſich reich, und Marmor ſchloß ihn ein.

Sein Zimmer ſchien der Freuden Thron zu ſeyn. Und täglich wuchs die Pracht der ſchon geſchmückten Wände

15 Noch durch der Künſtler kluge Hände;

Und täglich wuchs im Speiſeſaal Der Schüſſeln und der Diener Zahl, Mit ihnen der Bewundrer Menge Und der Clienten Lobgeſänge.

20 Bald fiel ein reiches Erb an ihn,