Druckschrift 
2 (1907)
Entstehung
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Er ſchlief bey Wein und Scherz, bey Tanz und Saiten ein, Und ſtund am Morgen auf, von neuem froh zu ſeyn; 25 Sein Wink war ein Befehl, ſein Wünſchen war ſein Wille, Je mehr ein Tag verthat, je mehr wuchs Gut und Fülle. Er ſann auf weiter nichts, als ſich nicht zu bemühn. Itzt fiel ein reiches Gut durch Erbſchaftsrecht auf ihn; Kaum nahm er dieſes ein: ſo mußt ihn hier von neuen 30 Aus einer Lotterie das größte Loos erfreuen. So ward ein neues Glück ihm täglich kund gemacht; Bald, was ſein Kux geſchenkt, bald, was ſein Schiff gebracht. Und ſo viel theure Gunſt aus ſeines Glückes Händen Blieb Schmeichler, Freund und Pracht zu wenig, zu verſchwenden.

35 Unendlich ſchien der Mann bey ſo viel Luſt gerührt. Wer zweifelt, ſprach das Glück, daß mir der Ruhm gebührt?

Der Liebe kam es zu, durch ihre Zärtlichkeiten Den ſo beglückten Mann nunmehro zu beſtreiten. Der ſtark und ſüſſe Zug, der uns ins Herz geprägt, 40 Ward durch Serinens Blick in Cleons Bruſt erregt. Er ſah dieß holde Kind und brannt in ſeinen Trieben, Und bevydes ſchien hier eins: ſie ſehen und ſie lieben. Mehr Schönes hatte noch kein ſterblich Aug erblickt, Mehr Schönes, das zugleich, indem es reizt, beſtrickt. 45 Cithere ſelbſt geſtund, ſo viel vollkommne Gaben An eine Sterbliche noch nie verſchenkt zu haben.

An das er nicht gedacht; kaum war ihm dieß verliehn: So zog das Glück durch ſeine Künſte

Schon in den reichſten Lotterien

Für ſeinen Freund die Hauptgewinnſte.

25 So ward ein neuer Schatz ihm täglich kund gemacht, Bald was ſein Kux, bald was ſein Schiff gebracht; Und ſoviel Gunſt aus ſeines Glückes Händen Blieb alle Pracht zu wenig zu verſchwenden.

Er ſchlief, berauſcht von Freuden, ein, 30 Stund auf, den Freuden ſich zu weihn. Sein Wink war der Verehrer Wille, Und jeder Tag ein Feſt des Glückes und der Fülle. Wer zweifelt, ſprach das Glück,daß mir der Ruhm gebührt? Iſt Semnon nicht unendlich ſehr gerührt?

35Vielleicht, verſetzt darauf die Liebe, Rühr' ich ſein Herz durch ſtärkre Triebe; Er ſoll Serinen ſehn. Ihr unſchuldvoller Blick Beſiegt vielleicht dich, mächtigs Glück! Er ſah nunmehr die göttliche Serine. 40 Ihn rührt der Reiz der edlen Miene; Doch mehr, als ihr beredt Geſicht,