Druckschrift 
2 (1907)
Entstehung
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28. Die Affen und die Bäre. Die Affen bitten bey den Bären, Das Mittel ihnen zu erklären, Wodurch ſie ohne viel Bemühn, Die Jungen ſtark und alt erziehn. 5 Vielleicht, ſprach eine von den Müttern, Die ſtets vor Kinderliebe zittern, Iſt unſre Milch und unſer Trank Schuld an der Kinder Untergang. Vielleicht iſt manches unſrer Kinder 10 Aus dieſem Grunde nicht geſünder, Weil Obſt, Gewürm und was es frißt, Ihm gar zu unverdaulich iſt. Vielleicht, daß ſie durch Sprung und Schwänken Sich etwas in der Bruſt verrenken;

15 Vielleicht iſt manches ſiech und matt, Weil es die Luft getroffen hat. Drauf nimmt ſie eines von den Kleinen,

Fängt an, es herzlich gut zu meynen,

(Bel. 1744 A, S. 187.)

Umarmt es brünſtig, küßt und drückt, 20 So lange, bis das Kind erſtickt.

Du, ſprach die Bärinn, kannſt noch fragen? Nicht liegts an eurer Kinder Magen, Nicht liegts an Milch, an Obſt und Brodt, Ihr drückt ſie ſelbſt vor Liebe todt.

Gebt acht auf unſre jungen Haufen; Wir nehmen ſie, ſo bald ſie laufen, Mit auf den Raub durch Sumpf und Wald, So werden ſie geſund und alt.

Was macht viel Kinder ſiech? vielleicht

Natur und Zeit?

30 Nein! reicher Eltern Gunſt und ekle

25

Weichlichkeit.

O Reicher, ſoll dein Kind geſund in Städten blühen:

So zieh es in der Stadt, wie es die Dörfer ziehen!

Die Affen und die Bären.

Die Affen baten einſt die Bären, Sie möchten gnädigſt ſich bemühn Und ihnen doch die Kunſt erklären,

In der die Nation der Bären 5 Die ganze Welt des Walds zu übertreffen ſchien; Die Kunſt, in der ſie noch ſo unerfahren wären, Die Jungen groß und ſtark zu ziehn. Vielleicht, hub von den Affenmüttern Die weiſeſte bedächtig an,

10Vielleicht, ich ſag es voller Zittern,

Wächſt unſre Jugend bloß darum ſo ſiech heran, Weil wir ſie gar zu wenig füttern.

Vielleicht iſt auch der Mangel der Geduld,

Sie ſanft zu wiegen und zu tragen;

15 Vielleicht auch unſre Milch an ihren Fiebern ſchuld. Vielleicht ſchwächt auch das Obſt den Magen. Vielleicht iſt ſelbſt die Luft, die unſre Kinder trifft, (Wer kann ſie vor der Luft bewahren?)

Ein Gift in ihren erſten Jahren; 20 Und dann auf Lebenszeit ein Gift. Vielleicht iſt, ohne daß wirs denken, Auch die Bewegung ihre Peſt. Sie können ſich durch Springen und durch Schwenken Oft etwas in der Bruſt verrenken,

(3. Buch Nr. 32).

25 Wie ſichs ſehr leicht begreifen läßt; Denn unſre Nerven ſind nicht feſt. Hier fängt ſie zärtlich an zu weinen, Nimmt eins von ihren lieben Kleinen, Das ſie ſo lang und herzlich an ſich drückt, 30 Bis ihr geliebtes Kind erſtickt.

Du, ſprach die Bärinn,kannſt noch fragen, Warum ihr ſo beſtraft mit kranken Kindern ſeyd? Nicht liegts an Luft und Milch, und nicht an Obſt

und Magen. Ihr tödtet ſie durch eure Weichlichkeit, 35 Durch eure Liebe vor der Zeit. Gebt Acht auf unſern jungen Haufen; Wir nehmen ſie, ſobald ſie laufen, Mit uns, in Hitz und Froſt, durch Fluren und durch Wald, So werden ſie geſund und alt.

40 Was macht viel Kinder ſiech? Vielleicht Natur und Zeit? Nein, mehr der Aeltern Weichlichkeit. O Reicher, ſoll dein Kind geſund in Städten blühen: So zieh es in der Stadt, wie es die Dörfer ziehen!