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Drey Tage lebt ſie noch, und bringet dieſe Friſt Mit ſtetem Leſen zu, weil ſie ihr Schuldbuch lieſt. 25 Sie rechnet auf ein Haar die eingetragne Beute, Das blutige Procent in Noth gerathner Leute. Sie ſchlug die Zinſen noch zum baaren Capital, Und zählte tauſend ſchon zum vierten hundertmal; Hier aber ward ſie ſchwach, ſie wollte noch was ſagen; Allein man hörte nichts, als: Schuld—— wo nicht—— verklagen. Sie ſtarb. Ihr Zimmer ward mit Trauer angefüllt, Und durch ein Stücke Tuch ſtandsmäßig ſchwarz verhüllt, Darum die Seelige den Meiſter einſt gepfändet, Weil er den Erbzins nicht zu rechter Zeit geſendet. 35 Die Lichter fackelten bey Haufen um den Sarg, Als ſich, ich weis nicht wie, ein Funk ins Tuch verbarg, In kurzem um ſich griff und eine Glut erregte, Die Leiche, Schuldbuch, Haus und Hof in Aſche legte. Das Löſchen war umſonſt. Des Leichengangs Gewinn, 40 Den ſie durchs Spiel erhielt, fiel von ſich ſelber hin. Dank ſey der Feuersbrunſt, die ſo viel wackre Leute Von Schuld und Wechſelſchrift in einer Nacht befreyte!
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27. Das junge Wieſel.(Bel. 1744 A, S. 92). Ein Wieſel, das den Fang am Tage ſtehen ſah, Kam bey der finſtern Nacht dem Fange niemals nah. Ja, fing es einſtens an, dich Eiſen kenn ich eben, Mein Vater ſtarb durch dich, mich bringſt du nicht ums Leben. 5 So jung ich auch noch bin: ſo bin ich dir zu klug. Wer den Betrug erkennt, den fället kein Betrug. Ich geh den Eyern nach und habe das Vergnügen, Wenn mir der Totter ſchmeckt, die Falle zu betrügen. Allein, du ſchlaues Thier, das ſich geborgen ſchätzt, 10 Und ſtets die Falle flieht, wie gieng es dir zuletzt? Einſt da es ſich ſein Ey läßt gar zu herrlich ſchmecken, So bleibt es mit dem Kopf im Exye ſelber ſtecken, Und ihn heraus zu ziehn, iſts nicht vor Angſt geſchickt; Die Hausfrau kömmt dazu: ſo ward das Thier berückt.
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15 Zwo Strafen findeſt du, die auf die Wolluſt wachen, Theils ſtrafet das Geſetz, teils die Natur der Sachen; Der erſten zu entgehn, lehrt dich die Wolluſt zwar, Doch bey der andren Art verbirgt ſie die Gefahr.


