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2 (1907)
Entstehung
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24. Das Kind mit der Scheere.(Bel. 1743 B, S. 536).

Kind, hub der Vater an, eins mußt du mir verſprechen, Laß dieſes Meſſer ſtehn, wie leicht könntſt du dich ſtechen. Kaum hat das Kind gehorcht, kaum er ſich weggewandt: So nimmt es ſchon dafür die Gabel in die Hand. Auch die gebeut er ihm nicht weiter anzufühlen: O darf ich, rief das Kind, nicht mit der Nadel ſpielen! Nein, ſag ich dir hiermit, du ſiehſt, die Nadel ſticht. Die Scheere? rief das Kind, denn dieſe ſticht wohl nicht; Sie iſt an Ecken ſtumpf. Doch, ſprach er, kann ſie ſchneiden; Woferne du mich liebſt, mußt du dieß alles meiden. Iſt nicht dein ganzer Schrank für dich von Spielwerk voll? Gnug, daß zu deiner Luſt dir nichts gebrechen ſoll. Du ſiehſt, ich liebe dich, drum folge meinem Willen, Ich will den deinen auch, ſo oft dirs dient, erfüllen.

Das Kind verſpricht es zwar; doch wider ſeinen Trieb; Der Scheere war es gut, und dieſe blieb ihm lieb; Das Meſſer ließ es ſtehn, die Gabel ließ es liegen, Die Scheere nur allein blieb dieſes Kinds Vergnügen.

Der Vater trifft es an. Du, ſpricht er, haſt ſie doch?

20 Ach Vater, fleht das Kind, vergieb mir dießmal noch,

Ich will der Vater geht. Hier regt ſich in dem Kinde

Ein doppeltes Gefühl; es haßt und liebt die Sünde.

Mit Thränen hat es ſich an einen Stuhl geſtemmt,

Bald ſieht es nach der Thür, ob auch der Vater kömmt, 25 Bald, wo die Scheere liegt. So theilten ſeine Triebe

Sich, wie das Auge gieng, itzt bald in Furcht, bald Liebe.

Halb langt es mit der Hand, halb zieht es ſie zurück,

Es will und will auch nicht; allein mit jedem Blick

Fällt etwas vom der Furcht im zitternden Gewiſſen; 30 Es nimmt die Scheere nicht, doch pflegt es ſie zu küſſen.

Es hält die Hände weg, damits nicht greifen kann.

Es küßt und rührt ſie nur mit einem Finger an,

Bald folgt der andre nach. Halb gern und halb mit Schämen

Siegt endlich doch die Luſt, die Scheere gar zu nehmen.

35 Schon iſt der Vater da. Er ſieht und zürnt und dräut. Kind, ſpricht er, meide mich und meine Zärtlichkeit,

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Das Kind mit der Scheere.(3. Buch, Nr. 31).

Kind, hub die Mutter an,eins mußt du mir Die hab 8 lauge nicht ſo lieb, verſprechen: So ließ ich ſie mit Freuden liegen. Die Meſſer und die Gabeln ſtechen; Allein die Scheer' iſt mein Vergnügen, Drum rühre keins von beiden an. Sie hat ein gar zu ſchönes Band. Allein die Scheere, ſollt ich glauben, 15 Geſetzt, ich ritzte mich ein wenig in die Hand, 5 Die könnten Sie mir wohl erlauben? So hätte dies nicht viel zu ſagen. Nichts weniger; was dich verletzen kann, So klein ich bin, ſo hab ich ja Verſtand, Sieh niemals als dein Spielwerk an. Und alſo werd ichs immer wagen, Das Kind gehorcht; doch ein geheimer Trieb Sobald die Mutter nur die Augen weggewandt. Und das Verbot verſchönerten die Scheere. 20 Doch nein, weil Kinder folgen müſſen, 10Ja, ſpricht es zu ſich ſelbſt,wenn es die Gabel So wär es ja nicht recht gethan.

wäre, Nein, nein, ich ſehe dich bloß an;