23. Die Raupen.(Bel. 1743 B, S. 271). Zum Gärtner fingen einſt die Raupen ſchalkhaft an: Sieh, deines Nachbars Baum wächſt mit Gewalt heran, Und Früchte, die vordem bey dir noch Sonne hatten, Erſticken, wie du ſiehſt, durch dieſes Baumes Schatten. 5 Itzt iſt dein Nachbar todt, bediene dich der Zeit, Und fäll Philemons Baum, doch dieſes geht zu weit; Die Erben ſind noch da und würden dirs verwehren, Verbinde dich mit uns, wir wollen ihn verheeren. Doch dieſes ſiehſt du ſelbſt, wir kommen nicht hinein, 10 Dein Garten muß uns erſt zum Durchzug offen ſeyn. Genug, wir ſchwören dir ſelbſt bey Pomonens Ehren, Bei allen Lilien, kein Blättchen zu verſehren.
Zu ſpät bereut man oft, was man zu zeitig glaubt!
Der Gärtner geht es ein, der Durchzug wird erlaubt.
15 Sie kommen an. Wahr iſts, der Schwarm der ſaubern Gäſte Fällt auf Philemons Baum, und frißt bis auf die Äſte. Sie halten Treu und Wort. Gewiß, der Dienſt ſcheint ſchön; Allein er kömmt gar bald dem Gärtner hoch zu ſtehn. Denn eh er ſichs verſieht, wird Schwur und Eid vergeſſen,
20 Und bei Philemons Bluth auch ſeine mit zerfreſſen.
Doch endlich nimmt der Zorn Philemons Tochter ein: O Schwarm, durch mich, ruft ſie, ſollſt du vertilget ſeyn! Sie nimmt mit eigner Hand ein Faß mit ſcharfem Rauche, Und eilt zu jedem Baum, und auch zu jedem Strauche. 25 Ein Freund, der ehedem Philemon wohl gekannt, Kam aus der Ferne her, und both ihr ſeine Hand, Und ſo gelung es ihr, mich deucht nach dreyen Tagen, Was nicht vom Rauche ſtarb, durch Rauch doch zu verjagen. Flieht, ruft ſie ihnen nach, und kehrt beſchimpft zurück, 30 Und lernt: Wer unrecht thut, hat ſelten Stern und Glück.


