19
30 So ſieh hier deinen Mann, der dich verehrt und liebt; Doch ohne dieſes Ja entſteh ich, deinen Willen, Aus Liebe gegen dich, ſo plötzlich zu erfüllen. Ein Herz, wie deines iſt, muß durch Beſtand allein, Noch mehr von mir verdient, als mir geſchenket ſeyn: 35 Ich komm und ſuch es ſelbſt, laß nur das Schickſal walten; Denn bin ich deiner werth: ſo werd ich dich erhalten. Mit Thränen ohne Zahl eilt unſre Schöne fort, Und Damon folget nach, und ſucht des Vormunds Wort; Doch dieſer hörte nichts. Sie muß ſich nur bequemen, 40 Den kargen Selimor nach kurzer Zeit zu nehmen: Der Zwang vereint dieß Paar; den andern Hochzeittag Rührt unſern Selimor bey Tanz und Luſt der Schlag; Er ſtirbt noch dieſe Nacht, und bittet im Erblaſſen, Dem Damon ſeine Frau nunmehr zu überlaſſen. 45 Sein Gut, ſein ganzer Schatz, wird Flavien vermacht, Und Flaviens Beſitz dem Damon zugedacht. O Damon, ſey vergnügt, die Tugend weis zu ſchützen, Sie läßt dich Flavien, und auch ihr Glück beſitzen. Mein Leſer, glaube mir, ſie leben beyde noch. 50 O liebe dieſes Paar, gönn ihm ſein Glücke doch; Sie ſind einander werth, und daß ich dirs geſtehe, Ein Beyſpiel reiner Glut, und auch vollkommner Ehe. Die Hälfte ſeines Guts hat Damon nicht geſchätzt, Für arme Schönen gleich zur Mitgift ausgeſetzt.
55 Und manchem armen Freund ein recht gemächlich Leben, Den armen Witwen Brodt, den Wayſen Häuſer geben, Iſt ſeine liebſte Pflicht, und auch ſein Lebenslauf.
Sein Landgut ſteht der Welt, ſo wie ſein Mitleid auf. Er ſchützt den Unterthan, und ſucht durch Gunſt und Wachen
60 Das ärmſte Hirtenhaus froh, wie ſein Gut, zu machen. Wo Damon ſteht und geht, iſt Glück und Ordnung da: Er zieht die Söhne ſelbſt, die Töchter Flavia,
Und alle treten ſchon, bey glücklichen Naturen, In ihres Vaters Gleis und ihrer Mutter Spuren. 65 Beneidenswerthes Paar! dein Glück iſt endlich voll,
O daß dein Eheſtand nicht ewig dauern ſoll!
Auf, Freunde, ſeyd vergnügt, wer weis, in welchen Landen
Noch eine Flavia für eure Ruh vorhanden!


