Druckschrift 
2 (1907)
Entstehung
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So, fielen hier die andern ein, Sie trugen drauf kein Waſſer mehr,

Ihr haltet uns für ſchlechtre Bienen? 30 Bald ward der Stock von Bienen leer, Wo wird denn euer Honig ſeyn, Und alle mußten faſt verſchmachten, 20 Wofern wir nicht mit Waſſer dienen? Die in der Brutzeit Honig machten.

Dieß ſchadet unſerm Anſehn nicht, V Daß euer Stachel uns gebricht; Genug, daß wir das Amt verwalten, Wozu man uns geſchickt gehalten.

Der Weiſer rief in kurzer Zeit Den Reſt von ſeinen Unterthanen, 35 Um ſolchen zur Geſelligkeit V Und zur Gemeinſchaft anzumahnen.

25 So klein itzt unſre Mühe ſcheint, Der Unterſchied in eurer Pflicht So ſoll euch doch der Ausgang lehren: Gebiehrt, ſprach er, den Vorzug nicht; Daß wir mit euch zugleich vereint V Nur die dem Staat am treuſten dienen,

Zum ganzen Bienenſtaat gehören. 40 Dieß ſind allein die beſten Bienen.

21. Damon und Flavia.(Bel. 1743 B, S. 52). Von Gram und Noth beſtürzt ſaß Damon ganz zerſtreut,

Und hing den Klagen nach. Denn bis auf dieſe Zeit War alle ſein Bemühn, ſein Hoffen, Wünſchen, Wagen, Mehr widrig in der Welt, als glücklich ausgeſchlagen.

5 Was hilft es, fing er an, daß man nach Tugend ſtrebt, Vernünftig in der That, im Herzen weiſe lebt? Der Thore ſchilt mich dumm, belohnt mich mit Verachten, Der Reiche ſieht mich kaum, und läßt mich Armen ſchmachten. O Schickſal, fuhr er fort, iſt dieß verdiente Pein?

10 So rief er, und indem trat Flavia herein, Und ſprach: Erſtaune nicht, ich folge meinen Trieben, Erkläre dich nur kurz, gedenkſt du, mich zu lieben? Dich hab ich in der Welt ein einzigmal erblickt,

Mir blieb dein Bild ſeit dem tief in das Herz gedrückt; 15 Itzt will des Vormunds Geiz mich dem zur Seite legen, Der kein Verdienſt beſitzt als ein geraubt Vermögen. Entdecke mir nur bald, ob mich dein Herz auch liebt?

Ich bin die Deine ſtets, und über nichts betrübt, Als daß Geburt und Stand mir keinen Thron gewähren, 20 Um dich zugleich zum Mann und König zu erklären. Und wenn dein Suchen noch der Meinen Wort erhält, Und du ihr Herz gewinnſt: ſo haſt du in der Welt, Bey deiner treuſten Frau, nach meines Vetters Sterben, Nebſt einer Tonne Golds ein Rittergut zu erben. 25 Entſchließe dich nur bald, denn ich bin in Gefahr. Wer kann beſtürzter ſeyn, als unſer Damon war? Ja, ſprach er, Flavia, ich liebe dich; doch höre, Ich wünſche mir dein Herz, allein zu deiner Ehre! Wenn deiner Freunde Hand mich dir zur Ehe giebt: