22 Die See kennt deinen Werth, und läßt es dir gelingen, Und weis dich, ohne Brett, geſund ans Land zu bringen. Hier trifft nun Lalage den Freund errettet an. Er fleht und bittet ſie. O, ſpricht ſie, geh, Montan,
35 Ich habe dich geliebt, dich durch das Meer geleitet, Das Leben dir geſchenkt, du mir den Tod bereitet. Verlaſſe mich nunmehr, weil mich ein Herz betrübt, Das in der Ruhe zwar, doch in Gefahr nicht, liebt. Sey ſtets beglückt, Montan! dich werd ich niemals haſſen;
40 Beſtrafen will ich dich. Drauf hat ſie ihn verlaſſen.
12. Die Elſter und der Sperling.(III 78.) An jenem flach und ebnen Thale S ie ſchrie mit unbedachter Stimme, Wo ſich die Unſtrut mit der Saale Bis ſie der Winzer bald im Grimme Aus alter Neigung friedlich paart, Mit ſeiner Schnurre wandern hieß.
Grenzt eine Reyhe ſtolzer Höhen,.. 5 Wo man den Segen von Lyäen Sie und der Sperlin mußten fliegen. 6 je etzte- Ner ae In ſüßen Trauben reich verwahrt. 20 O, rief der leßzte: Welch Bergnügen Entbehr ich nicht durch dein Geſchrey!
Hier ließ ſichs, bey den ſchönſten Stöcken, Willſt du der Frucht mit Luſt genieſſen: Der Sperling oftmals herrlich ſchmecken, So mußt du dir den Mund verſchlieſſen, Und ſchluckte manches Beerchen ein. Sonſt eilt der Winzer gleich herbey.
10 Dieß ſah die Elſter auf den Weiden, Uud wollte, bey dergleichen Freuden, Vielmehr ein Gaſt, als Zeuge ſein.
Ich weis es beſſer anzugreifen, Mein Blick muß oft den Berg durchſtreifen, Eh mich ein ſüßes Träubchen kühlt.
0 &
Sie hüpfte zu den nahen Trauben, Ich ſeh auf meines Feindes Blicke, Und konnte kaum dem Auge glauben, Und ſtehle mir mit beſſerm Glücke, 15 Das ihr ſo vielen Vorrath wies. 30 Als wenn der Winzer ſelber ſtiehlt. Ein Sperling ließ ſichs auf den Stöcken O, ſprach der Sperling, welch Vergnügen Des Weinbergs recht vortrefflich ſchmecken, Entziehſt du mir, du Schwätzerin! Und ſchluckte ſtill die beſten Beeren ein. V Willſt du der Frucht in Ruh genieſſen, Die Elſter ſahs mit ſcheelem Blicke, So muß es nicht der ganze Weinberg wiſſen. 5 Und wollte von des Sperlings Glücke 20 Siehſt du denn nicht, wie ſtill ich bin? Nicht bloß ein ferner Zeuge ſeyn. Drum ſchweig, und komm, den Berg noch einmal durch Sie hüpfte zu den vollen Trauben. zuſtreifen. „Wie? darf ich meinen Augen glauben? V Sie thuts, und frißt mit ihm ganz ſtill. O welcher Vorrath! Ja, gewiß,„Ein einzig Wort, Herr Spatz, ich kann es nicht begreifen, 10 So reif, Herr Sperling, und ſo ſüß, Warum mirs itzt nicht ſchmecken will; (Denn Sie verſtehn ſich auf die Trauben,) 25 Die Trauben ſind ja reif. Doch ſtill! War, was nun anch der Winzer ſpricht, Der Winzer läßt ſich wieder hören. Der Wein ſeit vielen Jahren nicht.“ Drum weißt du, was ich machen will? Der Winzer hört der Elſter Lobgedicht, Ich nehme von den blauen Beeren
15 Und zwingt die Göſte fortzufliegen. Mirr eine Traube mit, ſie ruhig zu verzehren


