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10.
Das BPferd und die Bremſe.(II 476.)
Ein deutſcher Gaul, wohl zugeritten,
Trug ſeines Herren dicke Laſt,
Mit ſolchen gleich und ſtolzen Schritten, Als jemals du geſehen haſt. 5 So leiſe ſtrich kein Reh vorbey,
Als dieſes Pferd im ſchnellen Traben. Ein ſchmaler Steg, ein breiter Graben, War ſeinen Füßen einerley.
Es durfte keine Gerte fühlen,
10 Es hob ſich ſo mehr, als zu leicht. Man durfte mit der Zunge ſpielen, So ging es, wie ein Vogel fleugt. Es konnte jeden Zug verſtehn.
Man durfte kaum die Trenſe rücken:
15 So ſahſt du es, von freyen Stücken, Den ſchönſten Antritt wiegend gehn.
Kaum war ein beſſer Pferd im reuten, Das nie an Stein und Wurzeln ſties, Das ſich ſo leicht auf beyde Seiten,
20 In vollem Rennen werfen lies. Kein Schuß, kein blitzendes Gewehr Erſchreckte dieſen Gaul im Gange, Er ging und that, als wüßt er lange, Was Blitz und Schuß und Pulver wär.
Ein Gaul, der Schmuck von weißen Pferden, Von Schenkeln leicht, ſchön von Geſtalt, Und, wie ein Menſch, ſtolz in Geberden, Trug ſeinen Herrn durch einen Wald; 5 Als mitten in dem ſtolzen Gange
Ihm eine Brems entgegen zog,
Und durſtig auf die naſſe Stange
An ſeinem blanken Zaume flog.
Sie leckte von dem heißen Schaume,
10 Der heeficht am Gebiſſe floß;
Geſchmeiße! ſprach das wilde Roß,
Du ſcheuſt dich nicht vor meinem Zaume?
Wo bleibt die Ehrfurcht gegen mich?
Wie? darfſt du wohl ein Pferd erbittern? 15 Ich ſchüttle nur: ſo mußt du zittern.
Es ſchüttelte, die Bremſe wich.
25 Im Streite trug den Alexander
V Kein ſolcher ſtolze Lichtebraun.
Die Schenkel warf er aus einander, Als dürft er nicht der Ende traun. Und kam der Sporn: ſo ſahſt du ihn Sich mit ſo ſtarken Sprüngen heben, Daß ſelbſt der Fahrweg zu erbeben, Der Raſen zu verſchwinden ſchien.
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Und dieſer Schmuck von allen Pferden, V Im Kreuze hoch, braun von Geſtalt, 35 Breit auf der Bruſt, frey in Gebehrden, Trug ſeinen Herrn durch einen Wald; Als eine Bremſe ſumſend zog, Ihm, mitten in dem ſtolzen Gange, Ganz durſtig auf die rechte Stange, V 40 An ſeinem blanken Zaume flog.
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Sie leckte von dem weißen Schaume, Deer heefigt am Gebiſſe floß. Wie, Thier, du nagſt an meinem Zaume?
Du kannſt?——— ſprach das erhitzte Roß. 45 O, rief die Bremſe, laß mich hier,
Ich will dich vor den Fliegen ſchützen. V Wie, ſchrie der Gaul, du willſt mir nützen? Und ſchüttelte: ſo flog das Thier.
Allein ſie ſuchte ſich zu rächen; Sie flog ihm nach, um ihn zu ſtechen, Und ſtach den Schimmel in das Maul. 20 Das Pferd erſchrak, und blieb vor Schrecken In Wurzeln mit dem Eiſen ſtecken, Und brach ein Bein; hier lag der ſtolze Gaul.
Auf ſich den Haß der Niedern laden, Dieß ſtürzet oft den größten Mann.
25 Wer dir, als Freund, nicht nützen kann, Kann allemal, als Feind, dir ſchaden.


