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1 (1904)
Entstehung
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8. Der Cauarievogel und die Nachtigall.(II 283.)

Ein Sänger, den der Mohr an ſeinen Küſten fängt, Der Deutſche gerne hört und in ſein Zimmer hängt, Sang oft ſein Tagewerk mit vielfach heller Kehle,

Nach dem von der Natur ihm erblichen Befehle;

Zumal, wenn neben ihm der Lerche Mund erklang,

Die nicht ſo klar, wie er, und dennoch reizend ſang,

Die deutſche Triller ſchlug, und zaghaft bey ſich dachte,

Daß doch des Fremdlings Mund die Töne ſüßer machte.

Der Fremdling merkte dieß, ward ganz beredt und ſprach:

10 Du, Freundinn, ſingſt zu rauh, o ſinge mir doch nach! Willſt du bewundert ſeyn, mußt du nach meinen Tönen Den ungeübten Klang dir möglichſt abgewöhnen.

Er ſchläfert, wie er wünſcht, die Lerche glücklich ein.

Sie folgt und martert ſich mit unerhörter Pein,

15 Durch einen fremden Ton den eignen zu verdringen,

Und ein canariſch Lied mit deutſchem Hals zu ſingen.

Sie ſtottert tauſendmal und wird ſich ſelbſt zur Laſt,

Indem ſie das verſucht, was ſie nur halb gefaßt.

Dieß hört die Nachtigall; der Zorn reizt Philomelen:

20 Wie ſinnreich biſt du nicht, dein eignes Ohr zu quälen! Ruft ſie der Lerche zu. Erſt ſangſt du frey, und recht. Da du dich fremde zwingſt: So ſingſt du fremd, und ſchlecht. Erſt wart ihr beyde gleich; itzt willſt du ihn erreichen, Und äffſt ihm ſingend nach, und mußt ihm äffend weichen.

5 Behalte deinen Ton, die Mundart der Natur;

In dieſer bringſt dus hoch; in jener fehlſt du nur.

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O Leſer, ſey ſo gut, die Fabel auszuführen; Denn mein Franzoſe kömmt, mit dem muß ich parliren.

Die Lerche und die Nachtigall.

Oft ließ, der Kunſt und ſeinem Wirth zu Ehren, O! ſprach die Nachtigall, die lang ihr zugehört, Sich der Canarievogel hören, 15 Wie ſinnreich biſt du nicht, mein Ohr und deins zu quälen! Und freute ſich, wenn durch ihr ſchmetternd Lied Dich hatte die Natur vortrefflich ſeyn gelehrt,

Die Lerche minder Kunſt verrieth. Und ſieh, nun lehrt der Zwang dich fehlen. 5 O, ſprach ſie, wenn ich doch ein Lied Gleich ſeinen hohen Liedern ſänge!

Und ſang, indem ſie dieſes ſprach, Elpin ſchreibt niedrig und ſchreibt ſchön. Dem Nachbar eiferſüchtig nach, Cleanth ſchreibt hoch. Elpin wünſcht ihm zu gleichen. Verliebte ſich in ſeine fremden Gänge, 20 Wie theuer kömmt es ihm zu ſtehn! 10 Und quälte ſich, den angebohrnen Ton Er ſucht Cleanthen zu erreichen, Durch den erlernten zu verdringen, Und äfft ihn nach, und muß ihm weichen,

Und trug, nach vieler Müh, zuletzt das Glück davon, Und ſchreibt und denkt für keinen Menſchen ſchön. Canariſch fehlerhaft zu ſingen.

Diese Anderung der Nutzanwendung nennt E. Schmidt(Anz. f. d. A. II 58) mit Recht eine Schlimm. besserung; vgl. meineStudien S. 28.