Druckschrift 
1 (1904)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Phylax, ein getreuer Hund, Der für allen Schaden ſtund, Und den Dieben, weil er wachte, Alle Gatter eiſern machte:

5 Phylax, der dem Tullian, Und auch Nicol Liſts Geſellen, Durch ſein nie zu ſtillend Bellen, Manchen Tort bey Nacht gethan, Dieſes ſonſt ſo wackre Vieh 10 Ward nach dem, man weis nicht wie, In der frühen Morgenſtunde Zu dem allerkränkſten Hunde. All im Hauſe, groß und klein, Suchten ſeinen Schmerz zu heilen, 15 Und der Knecht goß ihm zuweilen

Warmes Seifenwaſſer ein.

Alle Nachbarn gaben Rath, Krumholzöl und Mithridat Mußte ſich der Hund bequehmen,

20 Wider Willen einzunehmen.

Selbſt des Nachbar Gaſtwirths Müh,

Der vordem in fremden Landen,

Als ein Doctor ausgeſtanden,

War vergebens bey dem Vieh.

Kaum erſcholl die ſchlimme Poſt,

Als vom Hofe, Heerd und Koſt,

Alle Brüder und Bekannten,

Phylax zu beſuchen, rannten.

Pantelon, ſein beſter Freund,

30 Leckt ihm an dem heißen Munde.

O, erſeufzt er, bittre Stunde! O! Wer hätte das gemeynt?

Ach! rief Phylax, Pantelon! Iſts nicht wahr, ich ſterbe ſchon?

35 Hätt ich nur nichts eingenommen, Wär ich wohl davon gekommen. Sterb ich Armſter zu geſchwind:

Ol ſo kannſt du ſicher ſchreyen, Daß die vielen Arzeneyen 40 Meines Todes Quelle ſind.

25

17

7. Der Hund.(II 190.)

Und ich ſchlief zufrieden ein, Sollt ich nur ſo manches Bein, Das mein Fuß verſcharren müſſen, Vor dem Tode noch genießen.

45 Dieſes macht mich kummervoll, Daß ich dieſen Schatz vergeſſen, Nicht vor meinem Ende freſſen, Auch nicht mit mir nehmen ſoll.

Liebſt du mich, und biſt du treu! 50 O! ſo hohle ſie herbey; Eines wirſt du bey den Linden, An dem Gartenthore finden. Eines, lieber Pantelon, Hab ich nur noch geſtern Morgen, 55 In dem Winterreiß verborgen; Aber friß mir nichts davon. Pantelon war forigerannt, Brachte treulich, was er fand, Phylax roch mit ſchwachem Muthe 60 Noch die Dunſt von ſeinem Gute. Endlich, da ſein Auge bricht, Spricht er: Laß mir alles liegen, Alles, ſterb ich, ſollſt du kriegen; Aber, Bruder, eher nicht. Sollt ich nur ſo glücklich ſeyn, Und das ſchöne Schinkenbein, Das ich doch ich mags nicht ſagen, Wo ich dieſes hingetragen. Werd ich wiederum geſund: 70 Will ich dir, bey meinem Leben, Auch die beſte Hälfte geben; Ja du ſollſt hier ſtarb der Hund. Der Geizhals bleibt im Tode karg, Zween Blicke wirft er nach dem Sarg, 75 Und hundert tauſend mit Entſetzen

65

Nach den mit Angſt verwahrten Schätzen;

O ſchwere Laſt der Eitelkeit! Um ſchlecht zu leben, ſchwer zu ſterben, Sucht man ſich Güter zu erwerben;

80 Verdient ein ſolches Glück wohl Neid?

Die beiden ersten Strophen sind in der späteren

Fassung im 1. Buch in eine zusammengezogen:

Phylax, der ſo manche Nacht, Haus und Hof getreu bewacht, Und oft ganzen Diebesbanden Durch ſein Bellen widerſtanden; Phylax, dem Lips Tullian, Der doch gut zu ſtehlen wußte, Selber zweymal weichen mußte; Dieſen fiel ein Fieber an.

Im übrigen sind die Anderungen bei dieser Fabel wohl der besten aus den Belustigungen nur

geringfügig; es sind folgende:

26 Als von ihrer Mittagszeit ſo geſchwind

Wie zufrieden ſchlief ich ein!

Das ich mir verſcharren müſſen bey ſchwachem Muthe

den Dunſt

Sterb ich, ſo ſollſt du es kriegen.

74 auf den Sarg

Und tauſend wirft er mit Entſetzen