Druckschrift 
1 (1904)
Entstehung
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3.

Das Kind und der Affe.

Kaum hatte noch des Schneiders Hand Dem Affen ein erſtickt Gewand Von bunten Flecken umgehangen, Als dieß in ſich verliebte Thier 5 Der Menſchen Stolz, bey ſeiner Zier, Schon nachzuahmen angefangen.

Sein kleines buntes Affenkleid Schön ausgeſteift, in Falten breit, Erhöhte Minen und Gebehrden,

10 Und in dem Gange that er ſchon, Als müßte gar Maroccons Thron Noch einſt von ihm beſtiegen werden.

Indem er nun ſo prächtig ſtutzt: So ſieht er, daß ein Kind ſich putzt, 15 Und immer in den Spiegel ſiehet. Er eilt hinzu, ſieht auch hinein, Will wie das Kind geſtaltet ſeyn, Aus deſſen Stirn die Anmuth blühet

Der Affe thut galant, nicht wild; 20 Umſonſt; der Spiegel zeigt das Bild Von einem ungeſtalten Affen. Er putzt den Kopf mit Blumen aus: Doch weder Müh, noch Blumenſtraus, Kann ihm des Kindes Anſehn ſchaffen.

Er ſchiebt der Fehler Schuld allein Auf ſeines Spiegels falſchen Schein Und läſtert, ſchmäht und ſchimpft bey Haufen;

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Er ſchmäht erhitzt und geifert auch, Bis endlich, durch ſo manchen Hauch, 30 Das Glas im Spiegel angelaufen.

Drauf will das Kind ſich mehr beſehn, Erſchrickt und weis nicht, was geſchehn, Und kann ſich nicht im Spiegel finden.

Der Unmuth heißt es kläglich thun; 35 Es meynt, der Spiegel würde nun Ddeen Schandfleck nimmermehr verwinden.

Bald ruft ſein lautes Klaggeſchrey Den Alten ganz beſtürzt herbey, Das Kind erzählt die ganze Sache. 40 O, ſpricht der Alte, laß es ſeyn, Das Glas wird von ſich ſelber rein, Kind, laß den Affen gehn, und lache.

Und bald verfliegt des Hauches Dunſt; Dem Spiegel bleibt die Bildungskunſt;

b 45 Das Kind wird froh, und kömmt in Eifer: Und ſpricht zum Affen, o du Thor! Das Glas wird helle, wie zuvor.

Was hilft dein ausgeſtoßner Geifer?

Ja Kind, verſetzt des Alten Mund, 50 Kind, in Gedanken ſetz itzund Die Wahrheit an des Spiegels Stelle. S ie zeigt der Thoren Häßlichkeit; V Des Thoren Eifer ſchmäht und ſpeyt; Umſonſt ihr Licht bleibt ewig helle.

Der Affe.

Kaum hatte noch des Schneiders Hand Ein buntes comiſches Gewand Dem muntern Affen umgehangen: So gab ſein Rock ihm das Verlangen, 5 Sich in dem Spiegel zu beſehn. In Wahrheit, ſprach er, ich bin ſchön! o viel ich mir geſchmeichelt habe, So kann dem jungen Herrn der Rock nicht beſſer ſtehn. Komm, rief er, kleiner Edelknabe!. 10 Wir müſſen uns zugleich im Spigel ſehn. Er kam. Der Aff erſchrack, verzerrte das Geſicht, Stieß an den Hut, und rückte die Perücke; Und doch glich er dem Junker nicht! Der Spiegel warf, was er empfing, zurücke, 15 Ein närriſch haarichtes Geſicht In einer ſtruppichten Perücke. Der Junker lacht. Pfuy, hub der Aff erbittert an, Pfuy, Spiegel, wie du lügſt! Was hab ich dir gethan?

Der Spiegel läuft darauf von ſeinem Hauchen an, 20 Und zeigt itzt keinen Affen weiter.

Das dacht ich, rief er ſehr erfreut,

Die Schuld liegt nicht an meiner Häßlichkeit,

Nein, junger Herr, der Spiegel war nicht heiter!

Schon eilte Junker Fritz mit der Begebenheit 25 Sie dem Magiſter zu erzählen; Und dieſem konnt es gar nicht fehlen, Mit einer nützlichen Moral, (Er war gelehrt,) ſie zu beſeelen. Nun, ſprach er, ſetzen Sie einmal 30 Die Wahrheit an des Spiegels Stelle. Sie zeigt der Thoren Häßlichkeit; Der Thor, der ſich vor ihrem Lichte ſcheut, Verhüllt ſie drauf in Dunkelheit, Und ſchmeichelt ſich, ſie ſey nicht helle.