Druckschrift 
2 (1874)
Entstehung
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hält die Sichard'sche Handschrift für die beste, aus der man annährend die ursprüngliche Gestalt Bertholds erkennen könne. Dieselbe ist bei Pertz mit 3 bezeichnet. Hieraus geht her- vor, dasz die Frage über Bernold Berthold noch verwickelter und nnerledigter Natur ist. Noch gröszer werden die Schwierigkeiten, wenn man auf den Inhalt Rücksicht nimmt. Bereits Ussermann machte, wie Stenzel in seinem kritischen Apparat zur Geschichte der fränkischen Kaiser anführt ¹) darauf aufmerksam, dasz Berthold 1061 von Alexander II. sagte: Apostolicam sedem sibi usurpavit. Da er später ein entschiedener Gregorianer ist, sSo kann ihm eine solche Aeuszerung kaum zugetraut werden. Ussermann machte daher den Schlusz, dasz das Werk Bertholds nur bis 1066 reiche und von 1067 an Bernolds Werk beginne, so dasz, was wir von 1066 1080 als Berthold besitzen, nichts anderes als der Bernoldus auctior sei, von dem dann. was wir als Bernold bis zum Jahre 1080 haben, nur ein kurzer Auszug sei, daher denn auch angenommen wird, Bernold habe sein eignes Werk excerpiert. Dagegen nehmen Stenzel, Giese- brecht und Wattenbach an, dasz Bertholds Chronik auch wirklich von diesem herrühre, und dasz er, als er später Gregorianer wurde, seine frühere Gesinnung geändert habe. Daraus er- kläre sich der innere Zwiespalt in dem Werke.

Mir ist es 1) nicht recht erklärlich, wie ein so gelehrter und gediegener Schriftsteller, wie Berthold von Bernold selbst zum Jahre 1088 bezeichnet wird, ein Freund des gelehrten Hermann von Reichenau, die Chronik nur bis 1066 fortgesetzt haben sollte, während er doch erweislich erst 1088 starb; 2) will mir nicht einleuchten, wie ein solcher Mann, wenn er wirklich seinen politischen Standpunkt und seine kirchliche Gesinnung später geändert hat, in seinem eignen Werk die Widersprüche zu sich selbst habe stehen laszen, während er dies doch leicht ändern, die frühere Chronik nach dem spätern Standpunkt überarbeiten konnte. Es scheint mir deshalb der Teæt des Berthold in sciner vorliegenden Gestalt nicht authentisch genug zu Sein.

Zur Darlegung der Verhältnisse von Canossa will ich noch bemerken, dasz Berthold den Pabst gar nicht über Canossa hinaus kommen läszt. Floto ²), der Heinrich darin sehr richtig auffaszt, dasz dieser um jeden Preis die Reichsversammlung durch seine Reise nach Canossa um- gehen will, nimmt an, dasz Heinrich von Reggio aus auf italischem Boden die Verhandlungen mit dem Pabste cröffnet habe, was wahrscheinlich ist. Daselbst erwarteten nach Donizo die lombardischen Bischöfe den Ausgang der Sache. Stenzel folgt in seiner Beschreibung der Scene von Canossa hauptsächlich dem Berichte Lamberts und Donizos, welch letzterer hierbei nicht auszer Acht gelaszen werden darf, weil er, wenn auch sonst auf seine Darstellung wenig Gewicht zu legen ist, für Schilderung der Localitäten und mancher speziellen Vorgänge ein nicht zu verachtender Zeuge ist.

Die Art und Weise, wie Heinrich vor und zu Canossa die Lossprechung vom Banne er- langte, ist von Floto und Giesebrecht ausführlich und richtig dargestellt. Einmal ist Heinrichs Verfahren ins Auge zu faszen und dann die schwierige Lage, in der sich Gregor befand. Gregor hatte sich den deutschen Fürsten gegenüber engagiert und konnte ohne sie nicht einseitig vorgehen. Ferner glaubte er, dasz, wenn er Heinrich absolviere, ihm sein Lieblingsgedanke ent- gieng, auf einer deutschen Reichsversammlung als Vorsitzender über den König zu richten.

1) Stenzel II. p. 100. 2) Floto II. p. 122 und 125.