14
machte ihm durch seine Boten scharfen Vorhalt wegen seiner Vergehen. Endlich kam der König selbst, doch friedlich mit nur wenigen nach Canossa. Dort that er drei Tage vor dem Thore der Burg Busze, hatte allen königlichen Ornat abgelegt und erschien in demütiger Haltung barfusz und in wollenem Büszergewand. Nicht cher hörte er auf, die Gnade der apo- stolischen Barmherzigkeit zu erflehen, bis er alle so zum Mitleid bewogen hatte, dasz sie die ungewöhnliche Harte unserer Gesinnung bewunderten, einige sogar laut sagten: Das sei nicht der Ernst apostolischer Strenge, sondern das grausame Verfahren eines tyrannischen Terroris- mus. Da endlich löste ich ihn vom Banne und nahm ihn in die Gemeinschaft der Kirche wieder auf nach Empfang der Bürgschaften, die unten mitgeteilt sind. Als solche folgt dann die Promissio Canusina.
Dieses Document ist die sicherste Quelle; man hat keinen Grund, den Angaben in dem- selben zu mistrauen. Die Haltung und Daxrstellung ist ruhig und leidenschaftlos, und Gregor ist in ihm weit von seinem Standpunkt von 1080 entfernt. Auch stimmt der Inhalt mit den Angaben anderer glaubwürdiger Schriftsteller überein; der Brief ist vielfach excerpiert, um- schrieben und commentiert worden..
Auch Giesebrecht legt in seinem kritischen Apparat auf dieses Actenstück einen groszen Wert. Was sonst die Benutzung der Quellen bei dieser Partie anlangt, so halten sich Giese- brecht und Floto hauptsächlich an Bertholds Bericht, und ich halte nächst dem Briefe Quoniam pro amore diesen Schriftsteller auch für die beste Quelle.
Berthold— Bernold.
Da übrigens hier die Chronik Bertholds eine hervorragende Wichtigkeit bekommt, so ist es nötig, kurz die Frage vom Verhältnis Bertholds zu Bernold und umgekehrt zu berühren. Berthold von Reichenau sowie Bernold von Constanz sind(Berthold wenigstens in späterer Zeit) entschiedene Anhänger Gregors und der neuen kirchlichen Richtung, die von Cluny ausgieng, der die Klöster des Schwarzwaldes, insbesondere Hirschau und St. Blasien u. a. anhiengen, und die Gregor als ihr Haupt betrachtete. Beide sind literärisch Fortsetzer der Chronik Hermanns von Reichenau, der 1054 starb. Beide Fortsctzungen haben anfangs die gröste Aehnlichkeit mit einander, so dasz sie in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis stehen müszen. Berthold, Hermanns Freund, versprach demselben auf dem Sterbebette, dessen Schrift de vitiis fortzusetzen. Nach Wattenbach p. 242 soll er erst 1076 die Fortsetzung der Chronik Hermanns übernommen und dazu Bernolds Chronik benutzt haben. Von 1074 an wird er ausführlicher bis zum Jahre 1080. Im Jahr 1088 starb er nach Bernolds Angabe zu diesem Jahre.— Nach Stenzel II. p. 100 verkürzte Bernold von Constanz Hermanns und Bertholds Chronik bis 1080 und setzte das Werk dann selbständig und ausführlich bis zum Jahre 1100 fort, in dem er starb. Von Bernold ist eine Urschrift, ein Autograph, vorhanden, das Docen genau untersucht hat. Die Chronik Bertholds dagegen ist nur in einer Compilation vorhanden, die Bernold und Berthold mit einander verbindet. Aus dieser hat Pertz nach dem Autograph Bernolds ausge- schieden und den Rest als Bertholds Chronik in die Monumenta aufgenommen ¹). Giesebrecht ²)
1) Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquell. p. 242.— 2) Giesebrecht III. p. 1032.


