Druckschrift 
1 (1898) Allgemeiner Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Allgemeines über die Formenbildung des Zeitwortes oder die Konjugation.

In jeder Zeitwortform, die Prädikat sein kann, kommt ein Doppeltes zum Ausdruck, ein Handeln, Geschehen, ein Zustand, kurz ein Verbalinhalt, und ein Gegenstand oder eine Person, an denen dieser Inhalt haftet, und die man als Verbalperson bezeichnet. Die Zeitwort- form vereinigt somit die wichtigsten Bestand- teile des Satzes in sich. Es giebt aber auch Formen, die nur den Verbalinhalt enthalten (und mithin nicht Prädikat sein können), das sind die Infinitive und Partizipien. Sie tragen nominalen Charakter, erstere substantivischen, letztere adjektivischen. Man nennt diese Formen infinite oder Nominalformen im Gegensatze zu den finiten oder Personalformen. Der Unter- schied zwischen diesen Formengruppen ist für die Formenbildung nicht massgebend, wenn auch, wie sich zeigen wird, von Bedeutung, aber die Erkenntnis dieses Unterschiedes ist für das Verständnis des Satzes so wichtig, dass auf diese Scheidung schon bei der Konjugation hingewiesen werden muss. Der Unterschied zwischen dem französischen und(in noch höherem Grade) dem englischen Satzbau einerseits und dem deutschen andererseits beruht zudem in hervorragendem Grade auf der reichlicheren Verwendung der Nominalformen in den fremden Sprachen.

Ausser der Person kommen noch andere Beziehungen in einer Verbalform zum Ausdruck.

Diese sind: Zahl numerus nombre. Zeit tempustemps. Aussageweise modus mode. Geschlecht Verbalgenus voix.

Betrachten wir diese Beziehungen im ein- zelnen.

Person und Zahl.

Person und Zahl werden durch Endungen bezeichnet.

Es giebt drei Verbalpersonen: die 1., 2. und 3. Person: première personne, deuxième personne, troisième personne, und zwei Zahlen: Einzahl und Mehrzahl: singulier und pluriel. Als 1. Person bezeichnet man die redende, als 2. die ange- redete; alles, was nicht 1. oder 2. Person ist, ist dritte*). Da die Endungen(sowohl für das Auge als, noch häufiger, für das Ohr) für ver- schiedene Formen übereinstimmen, setzt man beim Konjugieren gewöhnlich noch das Subjekt vor die Form(Prädikat).(Dieses Subjekt ist kein Teil der Form; die 1. Person Einzahl, Gegenwart, Wirklichkeitsform heisst z. B. nicht je dors, sondern dors).

Für die 1. und 2. Person giebt es je ein Subjekt(je tu nous vous), für die 3. Person

*) Der Ausdruckbesprochene Person ist unhaltbar; denn eine besprochene Person ist in jedem Satze vorhanden, auch wenn das Prädikat in der 1. oder 2. Person steht.