nicht in dem Umfange geschieht, wie es der Kenntnis dieser und der Erlernung fremder Sprachen dienlich wäre*).
Keine Art der Sprachlehre wird also da- von absehen, den Lernenden zum Verständnisse der Rede und somit zunächst zum Verständnisse des Satzes zu führen. Den Satz versteht, wer die Beziehungen seiner Teile zu einander versteht, wer die Rolle begreift, die jedes Wort im Satze spielt, wer jedes Wort als Satzteil erkennt, wer von jedem Worte sagen kann, welches andere Wort des Satzes es bestimmt, bezw. durch welches Wort es bestimmt wird. Wenn man diese Beziehungen aufsucht, d. h. den Satz zergliedert, so findet man, dass alle Glieder in letzter Linie Diener eines Herrn sind, dass alle Teile des Satzes unmittel- bar oder mittelbar einen Feil bestimmen. Dieser Herr lässt sich nur dienen, er dient nicht, dieser Teil des Satzes wird nur bestimmt, er be-— stimmt nicht wie alle anderen Teile. Dieser Brenn- punkt, diese Seele des Satzes ist die Satzaussage, das Prädikat. Dass die Bedeutung des Prädikates erkannt, dass sein Einfluss auf die übrigen Satz- glieder durchschaut wird, darin liegt der Schlüssel zum Verständnisse des Satzes. Während andere Satzteile durch verschiedene Wortarten ausge- drückt werden, wird die Aufgabe des Prädikates nur durch eine Wortart erfüllt, durch das Zeit- wort. Die Kenntniss des Zeitwortes— seiner Formen und seines Gebrauches— ist somit für
*) Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, welchen Dienst Franz Kern auf diesem Gebiete der Schule geleistet hat. Es ist zu wünschen, dass seine grundlegenden Arbeiten auf die Gestaltung jeglichen Sprachunterrichtes einen immer grösseren Einfluss gewinnen.
die Erlernung der Sprache von der allergrössten
Wichtigkeit. Wer das Zeitwort hat, hat zum guten Teile den Satz. Der überwiegende Teil aller sprachlichen Fehler besteht in Verstössen
gegen das Zeitwort, seien es Verstösse gegen
die Form- oder gegen die Satzlehre. Daher kommt es, dass in den Grammatiken die Lehre vom Zeit- worte den grössten Raum einnimmt(sie müsste auch stets an erster Stelle stehen); damit ist es
auch gerechtfertigt, dass Einzeldarstellungen aus-
dem Gebiete der Grammatik sich hauptsächlich um das Zeitwort drehen.
In dieser Bedeutung des Zeitwortes für den Satz und somit für die Rede einerseits und andererseits in der hervorragenden Rolle, die das Französische im Lehrplane der Realschule spielt, möge auch der Gegenstand der vorliegen- den Arbeit seine Rechtfertigung finden. Sie will das französische Zeitwort nach der Seite der Formbildung betrachten. Es soll der Versuch gemacht werden, einen UÜberblick über die Formen des französischen Zeitwortes zu geben der Art, dass der gegenwärtig vorhandene Sprachbestand zur Anschauung kommt, und dass nur dieser bei der Einteilung berücksichtigt wird. Die Bildungsgesetze, wie sie in den vor- handenen Formen zu Tage treten, sollen allein den Einteilungsgrundsatz abgeben. Das Zu— sammengehôõrige, unter Einfluss desselben Gesetzes Entstandene soll zusammengestellt werden, damit die nach der herkömmlichen—
dem Muster der lateinischen Grammatik ent- lehnten— Einteilung teilweise auseinander ge- rissenen Formen zur Reihe zusammengefasst
werden können.


