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1 (1895) Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758
Entstehung
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E.

Preignisse bei Cassel bis Zum Vorabende des Treffens bei Lutternberg, vom 27. September bis zum 9. Oktober 1758.

Als General v. Oberg durch sein unheil- volles Zögern die günstige Gelegenheit, sich Cassels durch einen Handstreich zu bemächtigen, versäumt hatte, benutzten die Franzosen die ihnen gewährte Zeit, um ihre Stellung bei Cassel zu befestigen. Die ganze Nacht vom 26. zum 27. September arbeiteten sie mit dem grössten Eifer und mit Aufbietung aller Kräfte an der Vol- lendung und Verstärkung des verschanzten Lagers auf dem Kratzenberge; am Morgen des 27. waren die Werke vollendet, durch Verhaue verstärkt und mit 16 schweren Kanonen sowie einer An- zahl von Feldgeschützen bewaffnet kurz, der Kratzenberg war über Nacht unangreifbar ge- worden. Unter dem Schutze der Verschanzungen nahmen die anlangenden Truppen Aufstellung; der äusserste linke Flügel lehnte sich bei dem Weissenstein(jetzt Schloss Wilhelmshöhe) an den Habichtswald. Unter diesen Verhältnissen stand Oberg, obwohl Isenburg zu ihm stiess, von einem Angriffe ab und bezog weiter rück- wärts ein Lager. Dasselbe dehnte sich von Harleshausen bis jenseits Frommershausen aus; rechts der Ahne lagerten Obergs Truppen, links derselben diejenigen Isenburgs; Nieder-Vellmar und Frommershausen lagen vor der Front. So standen sich die beiden Gegner, Oberg und Soubise, bis zum 2. Oktober, einander beobachtend, gegen- über, jeder den Angriff des andern erwartend.

Die Franzosen arbeiteten in dieser Zeit

eifrig an der weiteren Verstärkung ihrer Ver-

schanzungen auf dem Kratzenberge; zugleich aber wurden zahlreiche Gepäckwagen auf der Frankfurter Landstrasse zurückgesandt. Um diese womöglich wegzunehmen und den Feind im Rücken zu beunruhigen, streifte Luckner mit seinen leichten Truppen über Dornberg,

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Ehlen und Niedenstein bis gegen Werkel hin ohne indes seinen Zweck zu erreichen. Die Rücksendung der Wagen hatte bei Oberg die Ansicht erweckt, dass Soubise an den Rückzug nach Marburg denke, und er beschloss, in der Nacht vom 30. September bis 1. Oktober den linken Flügel des Feindes am Habichtswalde zu umgehen. Doch unterliess er die Ausführung, da ihm Geheimrat Waitz von Cassel aus die Mitteilung zukommen liess, dass die Franzosen durchaus nicht gewillt wären, angesichts der Verbündeten den Rückzug anzutreten.

Soubise hatte auch dazu jetzt weniger Ver- anlassung als je. Nicht allein war ja sein Heer dem Obergs an sich schon überlegen, es nahten auch von der Hauptarmee beträchtliche Ver- stärkungen für ihn heran. Er hatte sich schon, als Oberg an der oberen Lippe erschienen war, und dessen Vereinigung mit Isenburg wahr-

scheinlich wurde, trotz seiner Uberlegenheit an

Contades mit der Bitte um Hüälfe gewandt, und dieser hatte von Recklinghausen den thatkräf- tigen General Chevert über Lünen nach Werl marschieren lassen, wo er am 29. September eintrafund sich mit den Sachsen unter dem Prinzen Xaver, welche am 23. von Unna aufgebrochen waren, vereinigte; der General-Lieutenant Herzog von Fitz-James folgte ihm nach. Im ganzen zählten die Streitkräfte Cheverts 16 Bataillone Franzosen(6400 Mann), 15 Bataillone Sachsen und 4 Bataillone Kurpfälzer(11400 Mann), 34 Schwadronen(3400 Reiter) nebst den Freicorps Légion Royale undVolontaires de Flandres (1500 Mann)= 22700 Mann; am 2. Oktober er- reichte er Büren und marschierte dann weiter über Stadtberge(Nieder-Marsberg nach Hessen. Um diese Bewegung zu unterstützen, verliess Contades am 7. Oktober eine Stellung bei Recklinghausen und nahm am 9. eine neue bei Hamm. So wurde seine Verbindung mit Soubise besser gesichert, und Herzog Ferdinand zugleich um das wichtige Lippstadt besorgt gemacht. Deshalb brach dieser am 7. von Dülmen auf, ging am 8. bis Nottuln und bezog am 9. ein Lager bei Münster. 3*