von der Lausitz, 15 Bataillone und 24 Geschütze stark, das bei Unna stand, bedroht zu sein, da dasselbe den Bewegungen Obergs von Lippstadt gegen Cassel jederzeit zu folgen vermochte; doch wurde eine Störung von dieser Seite nicht als sehr wahrscheinlich angenommen.
Zur erfolgreichen Durchführung des Angriffs auf Cassel bedurften Oberg und Isenburg noch weiterer Verstärkung durch Truppen und Ge- schütz. Beides entnahm der Herzog mit der grössten Heimlichkeit aus der Hauptarmee, so- dass der Feind vollständig in Unkenntnis darüber blieb. General v. Zastrow wurde mit 4 Bataillonen und 4 Schwadronen am 11. September nach Warendorf gesandt, um zunächst das dortige Magazin zu decken und dann zu Oberg zu stossen. Von hier rückte er nach Lippstadt, und beide erreichten am 17. Paderborn; am 18. marschierte Zastrow weiter nach Ottinghausen, am 19. nach Hameln und vereinigte sich am 21. bei Bisperode mit Isenburg. Dieser hatte Hameln am 17. wieder verlassen, war bis Coppen brügge vorgegangen, von wo die Garnison- bataillone über Hameln nach Lippstadt abrückten, und hatte am 18. mit seinen 2 Feldbataillonen und 6 Schwadronen ein Lager bei Bisperode bezogen. Nach der Vereinigung mit Zastrow zählte er 6 Bataillone, 10 Schwadronen= 4800 Mann Infanterie und 1500 Reiter. Oberg blieb einige Tage bei Paderborn und wurde hier am 21. auf 11 Bataillone und 12 Schwadronen= 8800 Mann Infanterie und 2000 Reiter gebracht, ungerechnet die leichten Truppen: Luckners Husaren, hannôversche und hessische Jäger zu Fuss und zu Pferd; die Gesamtstärke beider ist
demnach auf etwa 18 000 Mann zu veranschlagen.
Diese Bewegungen verfehlten ihren Zweck nicht; Soubise liess sich täuschen, zumal Isenburg durch den hessischen Artillerie-Oberst-Lieutenant Huth bei Holzminden Anstalten zu einem Brückenschlag treffen liess. So kam Soubise zu der Uberzeugung, dass Oberg hier die Weser ükerschreiten und ihm bei Northeim in den Rücken fallen wolle, während Isenburg ihn
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von vorn angreifen solle. Deshalb befahl er Du Mesnil, bei Warburg nur die 4 Schweizer- Bataillone unter Oberst Waldner stehen zu lassen, mit den übrigen Truppen aber über Cassel in Eilmärschen zu ihm zu stossen, und versammelte seine Hauptmacht am 20. wieder weiter rück- wärts bei Göttingen.
So wurde Cassel immer mehr entblôsst: der Weg dahin lag Oberg vollständig offen. Dieser hatte von Paderborn aus den General Bock mit einem Dragoner-Regiment und Luckners Husaren am 17. gegen Warburg vorgesandt, worauf Waldner am 19. die Stadt räumte und auf das rechte Ufer der Diemel zurückging; allein erst am 24., nach Verlust mehrerer Tage, erschien Oberg mit der Hauptmacht daselbst. Am 25. überschritt er die Diemel, Luckners Husaren machten bei Grebenstein 48 Mann mit 56 Pferden vom Fischer'schen Freicorps zu Gefangenen; Oberst Waldner wich gegen Zierenberg zurück. Am 26. marschierte Oberg über Grebenstein auf Cassel; seine Vortruppen waren schon am Morgen bei Ober-Vellmar eingetroffen, wo sie mit den Franzosen ein kleines Scharmützel hatten. Diese zogen sich auf den Kratzenberg zurück und wiesen Luckners Husaren durch Gewehrfeuer ab, welche sich nun damit begnügten, Kirchditmold vom Feinde zu säubern und einige Gefangene zu machen. Mit dem Hauptteile seiner Streitmacht erreichte Oberg bald nach Mittag Ober-Vellmar.
Die Verhältnisse lagen ausserordentlich günstig für einen überraschenden Angriff auf Cassel, sie luden dazu geradezu ein. Unter der Besatzung und ihren Befehlshabern war bei dem unerwarteten Erscheinen des Feindes in solcher
Nähe die Bestürzung und Kopflosigkeit voll-
ständig. An eine ernstliche Verteidigung dachte niemand. Das Armee-Fuhrwerk, welches vor dem Müllerthore(dem holländischen Thore) auf- gefahren war, suchte man zunachst zu retten; man schaffte es eilig in die Stadt. weshalb das genannte Thor fast den ganzen Tag offen stehen
blieb. Weder der Wall noch der bedeckte Weg 3


