D.
Soubise's Einfall in Hannover; Obergs und Isenburgs Marsch auf Cassel, vom 8.— 25. September 1758.
Nachdem Soubise die Stellung Du Mesnil's bei Warburg an der Diemel besichtigt hatte, liess er am 7. September einen Teil seiner Truppen nach Münden abrücken; er selbst ver- liess Cassel mit dem Reste am folgenden Tage. Den 0. erreichte sein Vortrab unter Graf Lannion Gôttingen, das Isenburgs vorgeschobene leichte Truppen beim Herannahen der feind- lichen Ubermacht ohne den Versuch eines Widerstandes geräumt hatten. Soubise traf mit der Hauptmacht am 10. hier ein und mar- schierte am 11. bis Northeim, wo er mit seinen 18000 Mann eine Woche unbeweglich stehen blieb. Seine leichten Vortruppen durchstreiften den Solling im Westen und das ebene Land im Norden. Oberst Fischer erschien am 14. Sep- tember unerwartet vor Hannover, so dass man kaum noch Zeit fand, die Zugbrücken aufzu- ziehen; doch die entschlossene Haltung der Bürgerschaft, die zur Verteidigung bereit war, bewog ihn zum baldigen Rückzuge. Andere Abteilungen streiften nach Osten bis Clausthal im Harz; überall wurden Brandschatzungen eingetrieben. Ohne Widerstand zu finden hatte sich das Soubise'sche Heer über das Land er- gossen. Zwar hatte Isenburg während des August in seinem Lager bei Einbeck Geschütz, Rekruten und einige sonstige Verstärkungen empfangen; das Dragoner-Regiment Prinz Friedrich war vollständig beritten gemacht worden— allein immer noch war er viel zu schwach, sich dem so überlegenen Feinde ent- gegenzuwerfen. Er gab deshalb am 8. sein Lager bei Moringen auf, marschierte am 9. bis Einbeck, am 10. bis Eschershausen und ging am 12. nach Hameln zurück, wo er unter den Kanonen des inzwischen in guten Verteidigungs- zustand gesetzten Platzes eine gesicherte Stellung
16
fand. Trotz dieser rückgängigen Bewegung hielten sich einige kleine Scharen noch in dem nördlichsten Teile von Niederhessen; eine der- selben nahm am 11. September die französische Besatzung von Trendelburg, die zum Fischer'- schen Corps gehôõrte, gefangen. Bei Hameln ward Isenburgs Corps durch einige neue Zuzüge auf 7 Bataillone und 6 Schwadronen 5000 Mann Fussvolk und 1000 Reiter gebracht. Weitere Verstärkungen von der Hauptarmee waren für ihn und Oberg unterwegs.
Herzog Ferdinand von Braunschweig hatte nämlich eine gemeinsame Bewegung beider gegen Cassel und die Weser in Aussicht ge- nommen. Während er selbst den Marschall Contades noch bei Dülmen und Recklinghausen festhielt, war durch das Vordringen Soubise's ins Hannôversche bis Northeim eine weite Lücke zwischen den beiden französischen Heeren ent- standen; der wichtigste Punkt auf ihrer Ver-— bindungslinie, Cassel, war nur durch eine schwache Besatzung und die noch bei Warburg stehende Abteilung Du Mesnil's gedeckt. Eine Bedrohung Cassels durch den bei Lippstadt stehenden Oberg musste Soubise zum schleunigen Rückzuge dahin bewegen; gelang es, diesen zu täuschen und im Hannõverschen festzuhalten, so war noch ein weit grösserer Erfolg zu er-— hoffen. Dann konnte man Isenburg über die Weser heranziehen und mit Oberg vereinigt auf Cassel losgehen lassen, das in wenigen Märschen zu erreichen war. Die Abteilung Du Mesnil's war gegen beide zu schwach, und die Wegnahme Cassels im hôchsten Grade wahrscheinlich; Soubise hätte nach Verlust dieses Stützpunktes und der dort aufgesammelten Vor- räte, von Contades und Hanau gleichzeitig ab- geschnitten, nur auf weiten Umwegen und mit grossem Verluste den Main wieder erreichen können. So wäre mit einem Schlage die Be- freiung von Hannover und Hessen erreicht worden. Die glückliche Ausführung dieses viel versprechenden Planes schien nur durch das sächsische Corps des Prinzen Xaver, Grafen


