Zeughäuser von Cassel. Marburg und Ziegenhain wurden vollständig ausgeleert, und alles schwere Geschütz nach Frankreich abgeführt. Wie in Cassel hausten die Franzosen im ganzen Lande; aus Hanau wurden fünf bejahrte Räte, nachdem sie fünf Tage lang bei Wasser und Brot, ohne Bett, ja ohne Streu eingesperrt gewesen waren, als Geiseln für die Zahlung von 150000 Thalern nach Strassburg und Nantes abgeführt, und wiederholt wurde mit Sengen und Brennen ge- droht. Im ganzen wurden im Laufe des Jahres 1758 von den Franzosen in Hessen 657377
Gulden(= 11175423 Mark) erpresst! Von so wichtigen Geschäften in Anspruch genommen, hatte Soubise natürlich keine Zeit, an eine kräf- tige Kriegführung zu denken. Das einzige, was er that, war, dass er die Strasse von Cassel nach Cöln ausbessern liess, um sich eine bessere Verbindung mit Contades zu verschaffen, und dass er auf dem Kratzenberge ein festes Lager anzu- legen begann, an welchem täglich 600 Arbeiter vom Lande schanzen mussten. Endlich gegen Ende August langten bestimmte Befehle vom Kriegsminister an, der ein Vorgehen gegen Westfalen verlangte; während Contades,— der am 19. August von Wesel aufgebrochen war und am 25. eine neue Stellung bei Reckling- hausen an der unteren Lippe eingenommen hatte.— ein Vordringen über Göôttingen nach Ein- beck wünschte, um den Herzog Ferdinand aus Westfalen zum Rückmarsch gegen die Weser zu bewegen. Soubise entschied sich für die Bewegung gegen Westfalen nach der oberen Lippe, um sich Contades zu nähern, etwaigen Bewegungen alliierter Truppen gegen Cassel auf dieser Seite entgegenzutreten und womöglich Lippstadt zu nehmen— eine Bewegung, die vier Wochen früher ausgeführt, ihm die grössten Erfolge mühelos in den Schoss geworfen hätte. Er schickte deshalb den General Du Mesnil am 27. August mit 3 Brigaden Fussvolk, Dragonern und Freiwilligen nach Warburg an der Diemel voraus, von wo aus derselbe am 28. starke Abteilungen gegen Paderborn und Iippstadt
vorschob. Der Graf d'Apchon fand aber fetzteren Platz jetzt stärker besetzt und in besserem 2u- stande, als man erwartet hatte, und stand von einem Angriffe ab.
Diese Bedrohung des wichtigen Lippstadt durch die Soubise'sche Armee und die dringenden Bitten Isenburgs um Unterstützung bewogen den Herzog Ferdinand, der am 20. von Coesfeld nach Dülmen marschiert war, General v. Oberg mit 7 Bataillonen und 8 Schwadronen nach Lippstadt zu entsenden, um diesen Platz zu decken und sich gegebenen Falls mit dem inzwischen verstärkten Corps des Prinzen von Isenburg zu einem gemeinsamen Unternehmen gegen Soubise zu vereinigen. Zugleich erhielt Isenburg die Weisung, sich zum Ubergange über die Weser bei Holzminden vorzubereiten. Der Prinz hatte in seinem Lager bei Einbeck einige Verstärkungen erhalten; und da Soubise wegen seines beabsichtigten Marsches auf Lipp- stadt seine leichten Vortruppen aus Göttingen bis in die Nähe von Cassel zurückzog, besetzten am 1. September die leichten Truppen Isenburgs Göttingen wieder, während die übrigen Truppen desselben am 5. September ein Lager bei Mo- ringen bezogen.
Unterdes hatte die Reiterei Obergs am 31. August Beckum erreicht, wohin dessen Infanterie am 2. September nachfolgte; am 5. überschritt er die Lippe und lagerte in der Ebene zwischen Lippstadt und Paderborn. Auf diese Nachricht von Obergs Eintreffen bei Lipp- stadt hin glaubte Soubise seine Bewegung gegen diesen Platz für vereitelt ansehen zu müssen und kam nun auf den von Contades gut geheissenen Gedanken eines Einbruchs in das Hannòversche zurück; er hoffte durch schnelle Märsche Isenburg erreichen und ver- einzelt schlagen zu können.


