schatzungen ein. Feindseligkeiten fielen fast gar nicht vor; nur am 9. August erfolgte ein Angriff von 300 franzôsischen Reitern auf die hannôverschen Jäger in Salzderhelden, von denen acht Mann gefangen wurden.
Schwer hatte indes das hessische Land und besonders auch Cassel unter den Bedrückungen und Erpressungen der Franzosen zu leiden. Schon bei seinem Vorgehen gegen Marburg hatte Soubise, als einzelne Bauern auf kleine fran- zsische Abteilungen feuerten, mehrere Dörfer niederbrennen und eine Anzahl Bauern auf- hängen lassen.
Kein Wunder, dass die Bewohner die Dörfer verliessen und mit ihrer beweglichen Habe, so- viel sie davon fortzubringen vermochten, in die Wälder flüchteten. Mit Soubise war auch der noch vom vorigen Jahre her berüchtigte und gefürchtete Intendant Foulon nach Cassel zurück- gekehrt und begann sofort wieder seine Thätig- keit des Aussaugens, in der er es zur vollen-— deten Meisterschaft gebracht hatte.(Nach dem Kriege übte er dieselbe an dem französischen Volke aus und ward zum Lohne dafür bald nach Ausbruch der Revolution an einem Laternen- pfahl aufgehängt.) Von der im Jahr 1757 aus- geschriebenen Contribution waren noch 450 000 Thaler rückständig geblieben; am 27. Juli ver- langte Foulon die Zahlung dieser Summe bar oder in guten Wechseln binnen zwei Tagen unter Androhung der schärfsten militärischen Zwangsmassregeln für die ganze Landgrafschaft. Den Drohungen folgte die Ausführung. Da die Summe nicht beschafft werden konnte, berief Foulon auf den 1. August 10 Uhr früh die Re- gierungsmitglieder, den Stadtrat, die anwesenden Edelleute, die angesehensten Kaufleute und die Zunftmeister, im ganzen 00 Personen, in den Saal des Kunsthauses(des jetzigen Katasteramts am Renthofe), liess alle Zugänge durch zwei Grenadier-Compagnien besetzen und forderte ausser sofortiger Zahlung jener Summe noch die Erlegung von 100000 Thalern als Will- kommen und Belohnung für die gute Manns-
zucht der Soldaten. Da diesem Verlangen nicht entsprochen werden konnte, hielt er die meisten der Anwesenden drei Tage und zwei Nächte gefangen, ohne für Lager, Speise und Trank zu sorgen. Am Abend des 2. August liess er ihnen endlich Brot und Wasser reichen, und erst am 3. Abends II Uhr wurden die Einge- sperrten entlassen, nachdem man in der Stadt 40000 Thaler zusammengebracht hatte, und über den Rest von ihnen Schuldscheine ausgestellt worden waren. Auf das Ansuchen des Steuer- rates Gottsched um Freilassung der Gefangenen erwiderte Soubise, dass die Ruinen des Kunst- hauses sämtliche Arrestanten begraben sollten; Foulon erklärte, als er um Linderung des harten Loses für den hochbetagten Vizekanzler Goddäus gebeten wurde, daran sei nicht zu denken, und sollten sie alle krepieren. Und über ein solches Verfahren wagte Soubise an den Herzog Fer- dinand von Braunschweig, der um Schonung des Landes gebeten und sich namentlich über Foulon beklagt hatte, zu schreiben, dass man sich trotz des unberechtigten Widerstandes und des bösen Willens der Bürgerschaft nur der mil- desten Mittel bedient habe! Der Herzog er- achtete es allerdings unter seiner Würde, darauf noch etwas zu erwidern. Bei dem Mangel an barem Gelde ging die Einlsung der Schuldscheine nur langsam von statten. Nun beauftragte Foulon den Obersten Fischer(einen relegierten Giessener Studenten der Theologie, der in fran- 20sische Dienste getreten war) mit der Beitreibung, für welche Mühwaltung sich dieser täglich eine Vergütung von 72 Thalern zahlen liess. Er drohte, von Haus zu Haus alles Silberzeug weg- nehmen und dann die Stadt an allen vier Ecken anzünden zu lassen, überhaupt alle Schrecken des Krieges über das Land zu verhängen. Bis zum 16. wurden nun 80000 Thaler aufgebracht, und am 29. schon schrieb Foulon eine neue Auflage von 850000 Thalern aus. Da musste auf Befehl des geheimen Rates alles Silbergerät in die Münze abgeliefert werden, und Foulon belegte das Pfandhaus mit Beschlag. Die


