die Verbindung mit Hamein und Hannover aufrecht zu erhalten und Verstärkungen an sich zu ziehen.
Der Feind ermöglichte ihm dies auf alle Weise. Nur schwache Abteilungen von leichten Truppen unter den Obersten v. Wurmser und Fischer hatten am 24. Münden besetzt, wo sie noch einige wenige Gefangene machten und 8 Geschützrohre ohne Lafetten erbeuteten, die von Cassel aus auf der Fulda dahin geschafft worden waren; von hier aus streiften sie weiter ins Hannôversche, namentlich über Göttingen, das sie am 26. erreichten, gegen Einbeck hin. Und doch konnte Soubise durch einfaches Nachdrücken den geschlagenen und geschwächten Gegner weit zurückwerfen und an der Weser bedeu- tende, dem Herzog Ferdinand höchst bedroh- liche und doch leichte Erfolge erzielen. Die Verhältnisse in Hannover waren einladend genug dazu. General Sommerfeld, der dort den Befehl führte, klagte über die Unzuverlässigkeit der Landmiliz, aus der die Besatzungen hauptsächlich bestanden. In den Festungen fehlte es überall an Ingenieuren und Artilleristen, an Schiess- bedarf und Lebensmitteln; für Anlage und Ver- stärkung der notwendigen Befestigungen hatte man nichts gethan, da man bei dem Vordringen Herzog Ferdinands über den Rhein dergleichen kostspielige Ausgaben für überflüssig hielt. Dazu kam die Gefahr, welche von den fran- zösischen Kriegsgefangenen drohte; dieselben waren zwei bis dreimal zo zahlreich als alle im Lande vorhandenen Truppen und zeigten mehr- fach Neigung zur Meuterei, sodass man ge- zwungen war, sie von der Weser zu entfernen und nach dem Norden und Osten zu verlegen, wodurch indes die Bewachung noch schwächer wurde.—
Die Minister in Hannover dachten auch nicht an ernstlichen Widerstand; auf die Kunde von dem Vordringen Soubise's in Hessen war ihr einziger Gedanke»ihre eigenen werten Per- sonen« weiter rückwärts in Sicherheit zu bringen,
wie Herzog Ferdinand schreibt.
Andererseits konnte Soubise mit vollstän- diger Ausserachtlassung Isenburgs von Cassel aus nach Westfalen vordringen, die Magazine des Herzogs Ferdinand daselbst zerstéren und durch Eroberung der damals nur wenig ver- teidigungsfähigen festen Plätze Lippstadt und Münster diesen von der Weser abschneiden. Zwar bedurften die stark angestrengten und hart mitgenommenen Truppen Broglie's einiger Ruhe und Schonung; aber mit dem Rest seines Corps war Soubise zu jeder der beiden Bewe- gungen immer noch mehr als stark genug, zumal nach dem Eintreffen der Württemberger. Seine Armee zählte mit diesen mindestens 23 000 Mann; 8000 genügten, um das eroberte Hessen und Cassel zu decken; mit 15000 konnte er auf Lipp- stadt marschieren und sich dieses Platzes be-— mächtigen, ehe Herzog Ferdinand im stande war, ihn zu decken. Lippstadt ist von Cassel nur 12 Meilen(0o km) entfernt; Soubise konnte es in drei bis vier Märschen erreichen und den damals nur von 300 Invaliden besetzten Plat⸗ wegnehmen. Von da bis Münster sind auch nur drei Märsche, und diese Feste hatte gleich- falls nur eine schwache Besatzung.
Namentlich diese Bewegung gegen West- falen war Soubise von dem Kriegsminister Belle- Isle dringend ans Herz gelegt worden; doch unterliess er sie, da ihm die Thatkraft mangelte, und er sich ausser stande glaubte, mit seinen Kräften gleichzeitig Hessen zu behaupten, die Verbindung mit Hanau aufrecht zu erhalten und gegen Lippstadt vorzustossen. Soubise that also gar nichts, liess seine Truppen ein Lager bei Nieder- zwehren beziehen, in welchem er bis Ende des Monats unbeweglichstehen blieb. Er entschuldigte seine Unthätigkeit mit dem Mangel an Armee- Fuhrwerk; allein schon am 5. August traf dasselbe ein, und er hatte ja auch ohne dasselbe den Marsch von Hanau und Hôchst bis Cassel zurück- gelegt. Seine Vortruppen, die im Hannéverschen jenseits der Werra streiften, trieben Brand-
ingrimmig spottend


