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1 (1895) Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758
Entstehung
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v. Geiso und Hegemann und Major v. Marschall unverletzt, alle übrigen tot, verwundet oder ver- misst. Tot waren die Hauptleute Hattorf, Wil- helmi, Hahn und Beck, tödlich verwundet Major v. Buttlar, leichter Oberst v. Prüschenk und Graf Görz, ein Adjutant des Prinzen; verwundet gerieten in Gefangenschaft die Obersten v. Urff und v. Canitz, sowie der Hauptmann Murhard, ein zweiter Adjutant Isenburgs. Der Prinz selbst wäre beinahe gefangen worden; durch die blaue und gelbe Uniform eines französischen Bataillons getäuscht, näherte er sich demselben, weil er es für das ähnlich gekleidete Bataillon Canitz hielt, das auf demselben Flügel focht; recht- zeitig machte ihn sein Adjutant Graf Winzing- rode auf die Gefahr aufmerksam, und so entging er der Gefangennahme. Auf französischer Seite fielen u. a. der Marquis de Saint-Martin, die Oberst-Lieutenants de Roban und de Rousset, Major Beauvoisis. Verwundet waren Graf Rosen, Prinz Nassau, der Maréchal de Camp Marquis de Puységur und der Oberst Marquis Joseph de Broglie, des Herzogs Neffe; er starb in Cassel an seinen Wunden, und der Herzog liess ihm in der Oberneustädter Kirche rechts von der Kanzel ein Denkmal errichten. Dem Herzoge selbst war ein Pferd unter dem Leibe erschossen worden.

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Breignisse in Hessen und Hannover nach dem Treffen bei Sandershausen, vom 24. uli bis Anfang September 1758.

Der Rückzug Isenburgs nach Münden war zwar ohne Belästigung durch den Feind von statten gegangen, aber auch so erschien die Lage nach dem verlorenen Treffen verzweifelt genug. Jenseits Münden wurden die Reste des Corps wieder gesammelt: es waren noch etwa 13 1400 Mann, meist von den Linientruppen.

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Die Landmilizen gingen massenhaft davon in ihre Heimat, sodass die Garnison-Bataillone nicht stärker waren als eine Compagnie. Ver- gebens suchte der Prinz dem zu steuern, es fruchtete wenig; er musste die von den Aus- reissern weggeworfenen Gewehre auf Wagen nachführen lassen. Erst als er in einer kräf tigen Rede mit Erschiessen drohte, machte das einigen Eindruck, und allmählich stellten sich später wieder viele Landsoldaten ein; beson- ders verdient hervorgehoben zu werden, dass nach dem Treffen die meisten der hessischen Förster und anderen Forstbeamten ihre Stellung verliessen und zum Corps Isenburgs stiessen, um gegen die Franzosen zu fechten. Einige Flüchtlinge vom Schlachtfelde hatten in Münden das Gerücht verbreitet, der Prinz sei mit dem ganzen Reste des Corps in der Schlacht ge- fangen genommen worden. Dies erzeugte unter dem vorausgesandten Tross eine unglaubliche Verwirrung. Die Packknechte warfen die Zelte von den Pferden und ritten davon; fast jedem Offizier fehlten Pferde und Ausrüstung. Der Prinz selbst vermochte weder seine Bedienten noch seine Wagen aufzufinden und war ent schlossen, die Urheber dieses Gerüchtes streng zu bestrafen.

Unter solchen Verhältnissen war an ein Festhalten des Werraüberganges bei Münden nicht zu denken, zumal hier auch wieder neue Unterlassungssünden des hannôverschen Mini- steriums zu Tage traten. Herzog Ferdinand hatte befohlen, bei Münden Befestigungen anzulegen und eine stärkere Abteilung hannôverscher Land- miliz aufzustellen. Allein kein Spaten war an- gerührt worden, und die Landsoldaten hatten sich zerstreut, weil sie sich im Vorjahre ver- pflichtet hätten, in diesem Kriege die Waffen nicht gegen Frankreich zu tragen. So wurde NMünden ohne weiteres aufgegeben, nachdem man die Verwundeten zu Schiff nach Hameln abgesandt hatte. Mit den Trümmern seines Corps erreichte Prinz Isenburg über Göôttingen am 25. Juli Einbeck, wo er Stellung nahm, um