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1 (1895) Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758
Entstehung
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die hessische Infanterie ziemlich parallel dem steilen Thalrande der Fulda zu stehen, fast rechtwinklig zu der ursprünglichen Stellung. Während dieser Bewegung sah sich dieselbe sowohl von der nach links einschwenkenden feindlichen Infanterie bedroht, als auch von den 6 Schwadronen Royal-Allemand, Nassau und Württemberg zu wiederholten Malen ange- griffen. wehr- und Kartätschfeuer abgeschlagen(nach jeder Salve sah man 30 40O ledige Pferde um- herlaufen), allein sie bewirkten doch, dass die drei schon durch das Vorrücken in dem schwie- rigen Gelände etwas durcheinander gekommenen Milizbataillone in immer grössere Unordnung gerieten und sich zu einem unbehilflichen, wirren Knäuel von wohl 100 Mann Tiefe zusammen- ballten; nur durch die Standhaftigkeit der Ba- taillone Isenburg und Canitz, welches letztere Bataillon sich nach Abweisung der Regimenter d'Apchon und Raugraf unbehelligt vom Feinde an die Infanterie des rechten Flügels wieder herangezogen hatte, wurden sie vor der Ver- nichtung durch die feindlichen Reiter bewahrt. Dies bewog den Prinzen Isenburg, seine ge- samte Infanterie noch weiter in den Wald und auf den Abhang zurückzunehmen, wo sie vor weiteren Angriffen der KReiterei sicher war. Hier hoffte man die Milizbataillone im Rücken der Linien-Bataillone wieder ordnen und in die Gefechtslinie bringen zu können; indes die Ver- wirrung und Haltlosigkeit hatte unter diesen ungeübten Soldaten so überhand genommen, dass sie teils blind auf alles vor sich und neben sich, also auf ihre Kameraden feuerten, teils nach hinten am Abhange der Fulda sich davon- machten. So sahen sich die tapferen Jäger und Grenadiere Lindaus, die Bataillone Isenburg und Canitz allein dem letzten Ansturme des weit überlegenen Feindes ausgesetzt. Broglie hatte, die ungünstige Stellung des Gegners mit dem Flusse im Rücken rasch und entschlossen be- nützend, seine Infanterielinie nach links ein- schwenken lassen und führte nun die Freiwilligen

Diese Anfälle wurden zwar durch Ge--

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und die 7 Bataillone der Brigaden Beauvoisis, Rohan, Royal-Deux-Ponts und Royal-Bavière mit aufgepflanztem Bajonett zum Sturme vor. Dieser Angriff(es war gegen ½ 7. Uhr) ent- schied das Treffen.

Die Hessen, auf dem steilen Thalrande der Fulda stehend. wurden trotz tapferster(egen- wehr den Abhang hinabgeworfen. Da befahl Prinz Isenburg den Rückzug im Fuldathale über Spickershausen nach Münden. Derselbe ward, vom Feinde unverfolgt, in ziemlicher Ordnung ausgeführt; die Grenadiere, die Bataillone Isen- burg und Canitz deckten den Abzug der Milizen, die Jäger schossen sich in den Gebüschen noch bis Sonnenuntergang mit dem Feinde herum, der nur aus vier an der Landstrasse aufgefahrenen Geschützen der rückgehenden Infanterie ziemlich wirkungslose Kugeln nachsandte.

Die hessische Reiterei, welche sich wieder links der Mündener Strasse gesammelt hatte, beabsichtigte Prinz Isenburg noch einmal zum Angriff vorgehen zu lassen, aber bei der grossen Uberlegenheit des Feindes gab er diese Absicht auf und befahl den Rückzug nach Münden, den sie unter Mitnahme von zwei Kanonen und Muni- tionswagen über Landwehrhagen antrat. Hier liess sie der Prinz noch einmal aufmarschieren, um den weiteren Rückzug der Infanterie zu decken; da aber kein Feind folgte, setzte er den Rückzug nach Münden fort.

Während dieser Vorgänge auf dem rechten Flügel hatte der linke Flügel Isenburgs, obwohl abgeschnitten, seine Stellung im Ellenbacher Grunde mit grösster Tapferkeit und Hartnäckig- keit behauptet. Dreimal hatten sie die Angreifer zurückgeworfen und dem Feinde schwere Ver- luste zugefügt; von den 3 Grenadier-Compagnien Royal-Deux-Ponts blieben nur 1 Offizier und 30 Mann übrig. Schon vor der Schwenkung der Infanterie Isenburgs nach dem Thalrande der Fulda hin hatte er den hier fechtenden Truppen(hannoversche Jäger zu Fuss und zu Pferd, ½ Bataillon Freywald, hessische Husaren, Zug Canitz mit I Geschütz) wiederholt den