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1 (1895) Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758
Entstehung
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hnannõverscher reitender Jäger her. Die übrige Artillerie, 9 Geschütze, war vor der Front und in den Zwischenräumen der Bataillone verteilt. Die Gesamtstärke betrug, wie oben berechnet, höchstens 3500 Mann. Die Soldaten waren von Kampfeslust beseelt; einige kleine glückliche Scharmützel mit dem Feinde in der Umgegend von Marburg und während des Rückzuges auf Cassel hatten das Selbstvertrauen der Truppen bis zur Verachtung des Gegners gesteigert; nur die mangelhafte Ausbildung und Kriegszucht der hessischen Milizen erregte das Bedenken der Führer.

Noch hatten nicht sämtliche Abteilungen die ihnen angewiesenen Stellungen eingenommen, da rückte Broglie nach Überschreitung der Losse gegen Sandershausen vor. Das Dorf wurde durchschritten, und in 3 Kolonnen gingen die Franzosen um 1 ½ Uhr gegen die Höõöhen vor. Unter dem Schutze des Geschützfeuers wurde der Aufmarsch vollzogen. Da in Cassel ausser den Garden noch ein Bataillon Royal- Deux-Ponts und bei Sandershausen ein zweites Bataillon dieses Regiments zurückgelassen waren, diese indes ihre Grenadier-Compagnien an das Hauptcorps abgegeben hatten, so ver- fügte Broglie noch über 11 Bataillone und 2 Grenadier-Compagnien= mindestens 4600 Mann, 12 Schwadronen= 1200 Keiter und 28 Geschütze, war also seinem Gegner an Reiterei und Ge- schütz dreifach, an Fussvolk fast doppelt über- legen.(Andere Angaben berechnen seine Stärke im Gefecht auf 6500 Mann.) Am Fusse und auf dem Abhange der Anhõöhe, etwa 1500 Schritt (1 km) jenseits Sandershausen, nahmen seine Truppen in zwei Treffen Aufstellung, im ersten das Fussvolk, im zweiten die Reiterei. Der äusserste rechte Flügel lehnte sich an ein dem Hof Ellenbach gegenüber liegendes Wäldchen, das von den 3 Grenadier-Compagnien Royal-Deux- Ponts(auch das 3. in der Schlachtlinie stehende Bataillon dieses Regiments hatte seine Grenadier- Compagnie abgegeben) besetzt war. Dann folgten in der Linie von rechts nach links:

Bataillone Waldner Diesbach! Bataillone Royal-Bavière Deux-Ponts Rohan Prince F 2 Beauvoisis(Pranzosen) 1 Volontaires d'Alsace, aus ausgewählten Leuten der übrigen Truppen- teile bestehend(und in der angegebenen Stärke daher bereits enthalten); letztere besetzten die Gehölze auf dem steilen Thalrand der Fulda. Das zweite Treffen(gleichfalls von rechts nach links) bestand aus

(Schweizer)

(Deuische)

n-sGꝛ8¼A

2 Schwadronen Royal-Allemand 2 Nassau

* D 2 Württemberg(Deutsche) 2 Raugraf 4

d'Apchon Dragoner(Franzos.)

Vor dem rechten Flügel war eine Batterie von 10 langen 4 pfündigen Kanonen aufgefahren, die übrigen 18 Geschütze waren gleichmässig vor den Zwischenräumen der Bataillone verteilt.

Als Prinz Isenburg die Entwickelung der feindlichen Streitkräfte wahrnahm und ihre be- deutende Uberlegenheit erkannte, dachte er an den Rückzug; allein er verzichtete darauf, da derselbe bei der Nähe des kampfbereiten Feindes nur mit beträchtlichem Verluste hätte ausgeführt werden können.

Um 2 Uhr schon hatte das Feuer der 3 Grenadier-Compagnien gegen die hannôverschen Jäger im Ellenbacher Grunde begonnen, aber erst gegen 4 Uhr setzte sich die französische Linie zum Angriffe auf die hessische Stellung in Bewegung. Die grosse Batterie auf dem rechten Flügel richtete ihr Feuer gegen den Ellenbacher Hof und die hessische Reiterei, die übrigen Ge- schütze auf das Fussvolk der Hauptstellung; dieses wurde von der hessischen Artillerie unter Oberst- Lieutenant Huth môglichst kräftig erwidert. Auf den linken Flügel der hessischen Stellung richtete die Schweizer-Brigade Waldner, bald von der Brigade Diesbach unterstützt, ihre An- griffe; Broglie wollte denselben zurückdrängen