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1 (1895) Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758
Entstehung
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nach Bremen begeben. An eine Behauptung der Stadt war nicht zu denken: die Festungs- werke befanden sich nicht im Verteidigungs- zustande, es mangelte an Geschütz, Schiessbedarf und Lebensmitteln; warf sich das kleine Corps Isenburgs in dieselbe, so wurde es von weit über- legenen feindlichen Kräften eingeschlossen, vor- aussichtlich bald zur Ergebung gezwungen und wäre für den Feldkrieg jedenfalls verloren ge- wesen, während der Gegner bei seiner Uber- macht auch vor dem Falle der Festung schon volle Freiheit der Bewegungen gegen das gänzlich ungeschützte Hannover und Westfalen gehabt hätte. Auch an die Annahme eines Kampfes dachte Isenburg damals noch nicht; am Abend des 22. sandte er seine gesamte Bagage unter Bedeckung der drei unberittenen Schwadronen Prinz Friedrich-Dragoner nach Münden und Northeim voraus, in der Absicht, am folgenden Tage beim Heranrücken des Feindes gleichfalls dorthin zurückzuweichen. Welche Umstände und Erwägungen ihn trotz- dem veranlassten, Stand zu halten und den feindlichen Angriff zu erwarten, werden wir im folgenden Abschnitte sehen.

B. Das Treffen bei Sandershausen am 23. Juli 1758.

Am Morgen des 23. Juli langte bei dem Prinzen von Isenburg ein Eilbote des Herzogs Ferdinand an, welcher den ausdrücklichen Be- fehl überbrachte, den Feind so lange als möglich zu beschäftigen und ihm mit Entschlossenheit jeden Fuss breit Landes streitig zu machen. Als Herzog Ferdinand diesen Befehl absandte, hielt er sicherlich Isenburgs Heeresabteilung für stärker, als sie thatsächlich war, und deshalb für fähig, wenigstens einem grösseren Teile der feindlichen Kräfte mit Aussicht auf Erfolg im offenen Felde entgegenzutreten. Mit dem Mini-

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sterium in Hannover hatte er sich nämlich früher schon ins Einverständnis darüber gesetzt, dass bei dem drohenden Vordringen Soubise's gegen Hessen und Nieder-Sachsen die Bewohner des Solling und des Harzes bewaffnet und aus ihnen ein Jäger- und ein Schützen-Regiment errichtet werden sollten. Ausserdem waren 2000 Mann zur Ergänzung der bei der Hauptarmee stehenden hannöverschen Batailloöone ausgehoben worden, und der Herzog hatte Befehl gegeben, alle diese Truppen als Verstärkung dem Prinzen von Isenburg zuzusenden. Doch nichts von alledem war geschehen, obwohl man dem Herzog be- ständig versicherte, dass alles im besten Stande sei; jene 2000 Mann hatte man nach Stade ge- sandt, um sie einzukleiden, zu bewaffnen und auszubilden! Das alles erfuhr der Herzog zu seiner peinlichsten UÜberraschung erst nach dem unglücklichen Treffen.

Ausser jenem allerdings auf unrichtigen Voraussetzungen beruhenden Befehle des Her- zogs bewog noch ein anderer Umstand den Prinzen von Isenburg zur Annahme des Kampfes. Die hessischen Milizen, aus denen die Garnison- Bataillone gebildet waren, glaubten nämlich, nur zum Dienste im eigenen Lande verpflichtet zu sein; sie wollten nur auf hessischem Boden fechten und weigerten sich- weiter, d. h. ins Hannòôversche, zurückzugehen.

Die Stellung auf dem Kamme des Sanders- häuser Berges, in welcher der Prinz von Isen- hurg sich zu schlagen gedachte, war für die Verteidigung nicht ungünstig, und er konnte hoffen, sich selbst mit seinen geringen Kräften gegen einen überlegenen Feind hier zu halten. Der Sandershäuser Berg ist einer der Ausläufer des Kaufunger Waldes; nach der Fulda zu stürzt er schroff und steil ab; der Hang ist von bewaldeten Schluchten zerrissen; nach Süden zur Nieste hin ist die Böschung ziemlich stark, zuweilen fast steil, hie und da auch sanfter; eine bewaldete, zur Nieste hinabführende Schlucht, in welcher der Hof Ellenbach liegt, und die steil zur Fulda abfallenden Ränder engen die