der Zahl, und 355 Tonnen Pulver nach Cassel schaffen liess. Am 13. Juni rückte 1 Schwadron Prinz Friedrich-Dragoner, die eben beritten ge- macht worden war, durch Marburg nach Nieder- weymar in Quartiere, die anderen 3 Schwadronen dieses Regimentes erhielten keine Pferde. Am 26. Juni brachte Hauptmann Murhard, Adjutant des Prinzen Isenburg, die Nachricht von dem am 23. Juni durch Herzog Ferdinand bei Crefeld erfochtenen Siege, eine Nachricht, welche wohl geeignet war, das Selbstvertrauen der Truppen, namentlich der neu errichteten, zu heben.
Wenden wir uns nun zu dem Feinde. Soubise hatte, wie oben gesagt, am 3. Juli sein Heer in zwei Hauptlagern bei Hanau und Hôchst versammelt; von hier brach er am 7. auf und erreichte am folgenden Tage Friedberg; die Vortruppen rückten bis Lollar längs der Lahn und gegen die Ohm bis Laubach vor. Am 14. bildete er eine Avantgarde unter dem Herzog von Broglie(10 Bataillone, 8 Schwadronen, 2 Brigaden Artillerie und leichte Truppen = 4200 Mann Fussvolk und 800 Reiter), welche über Butzbach am 16. Marburg erreichte, wäh- rend das Hauptcorps bis Grossen-Linden mar- schierte; von hier aus entsandte Soubise den General Du Mesnil nach Homberg an der Ohm, den Marquis von“Crillon nach Allendorf und den Marquis d'Essales nach Ebsdorf, welche Orte dieselben am 19. erreichten. Auf die Nach- richt von dem Eintreffen Broglie's in Butzbach entschloss sich Prinz Isenburg, Marburg auf- zugeben und sich am 16. nach Betziesdorf hinter die Ohm zurückzuziehen, um sich die Rückzugs- linie auf Cassel zu sichern, die durch die feind- liche Bewegung auf Kirchhain bedroht wurde. Zwei Garnison-Compagnien blieben auf dem Schlosse zu Marburg als Nachhut zurück; da sie zu lange verweilten, wurden sie von den ein- rückenden Franzosen zum grossen Teile ge- fangen, denen auch 4000 Rationen Hafer und Heu in die Hàände fielen. Am 18. setzte Isen- burg seinen Rückzug bis Gilserberg und Sebbete- rode fort, am 20. nahm er Stellung bei Ober-
Möllrich, die Eder vor der Front. An demselben Tage stand die französische Armee vereinigt bei Kirchhain, Jesberg und Halsdorf. Der Herzog von Broglie, durch die Abteilung d'Essales' auf 14 Bataillone(5600 Mann) und 12 Schwadronen (1200 Reiter) verstärkt, empfing von Soubise den Befehl, die Hessen unausgesetzt zu ver- folgen und sie womõglich zum Kampfe zu zwingen, während die Hauptmasse der Armee in der Entfernung eines Tagemarsches folgen würde. Um die Hessen durch einen angestrengten Marsch zu überfallen, befahl er am 21. gegen Mitternacht den Aufbruch seiner Truppen von Jesberg nach Fritzlar, wo er selbst am 22. früh anlangte. Doch Isenburg hatte sich der drohen- den Gefahr bereits mit Geschick entzogen.
Die Stellung bei Ober-Möllrich erwies sich als unhaltbar, da die Eder an drei Stellen durch- watet werden konnte, und das ebene und offene Gelände links des Flusses es nicht erlaubte gegen die überlegene feindliche RKeiterei den Kampf aufzunehmen. Doch musste den Truppen einige Ruhe gewährt werden; namentlich die neuen Garnison-Bataillone waren durch den Marsch von Marburg her bei anhaltendem Regen und auf schlechten Wegen vollständig erschõpft. Am 21. abends um 10 Uhr brach der Prinz wieder auf und erreichte über Gudensberg am 22. früh 6 Uhr die Neue Mühle oberhalb Cassels; durch diesen Nachtmarsch hatte er einen beträcht- lichen Vorsprung gewonnen. Sogleich ordnete er den UÜbergang auf das rechte Fuldaufer an; das Fussvolk überschritt dieselbe auf einer rasch geschlagenen Schiff brücke, die Reiterei benutzte die Furt. Mittags bezogen die Truppen ein Lager bei Sandershausen hinter der Nieste, am Abhang des zu diesem Flüsschen sich hinab- senkenden Berges, längs des Weges nach Hei- ligenrode: Bettenhausen blieb mit den hessischen Jägern und Husaren unter den Majoren v. Buttlar und v. Schlotheim besetzt. Landgraf Wil- helm VIII. hatte auf die Kunde von dem An- dringen des Feindes Cassel schon am 19. Juli verlassen und sich zuerst nach Rinteln, von da


