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1 (1895) Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758
Entstehung
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helm VIII., der sich im April noch in Hamburg aufhielt, am 6. Mai aber wieder in Cassel ein- traf. Man beabsichtigte, Cassel so gut als moôglich zu befestigen und in einen verteidigungs- fähigen Zustand zu setzen, die Landmiliz ein- zuberufen und durch Zuteilung regelmässiger Truppen zu verstärken. Die hessischen Husaren (1I Schwadron) und noch unberittene Dragoner- Schwadronen wurden aus Rheinfels nach Hessen herangezogen; man begann auch damit, die Dragoner beritten zu machen, ein Jägercorps und eine kleine Feldartillerie zu errichten. Doch wurde die rasche Durchführung dieser Massregeln sehr gehemmt durch die Verzögerung, welche von England bei den Verhandlungen über die Entschädigung für diese Truppenvermehrung bereitet wurde. Monate gingen darüber hin, bis endlich eine Einigung erzielt wurde: England bewilligte 60000 Pfd. Sterl., denen später noch 20000 Pfd. Sterl. zugelegt wurden.

Um den neu zu bildenden Truppen einen Rückhalt zu gewähren, hatte Landgraf Wil- helm VIII. am 27. April 1758 an Ferdinand die Bitte gerichtet, dieselben mit einiger Reiterei, Infanterie und Jägern von der Hauptarmee zu verstärken. Es war ein Beweis des guten Ein- vernehmens zwischen den beiden Fürsten, dass Herzog Ferdinand bereitwillig diesem Verlangen entsprach und am 0. Mai den General-Lieute- nant Prinz Kasimir von Isenburg mit den hessi- schen Bataillonen Isenburg und Canitz, dem hessischen Reiterregimente Prüschenk(2 Schwa- dronen) und einigen Geschützen nach Cassel und Marburg entsandte. Prinz Isenburg eilte später seinen Truppen einige Tage voraus, um in Cassel mit dem Ministerium und dem Landgrafen über die Aufstellung und Ausrüstung des Corps das Nötige zu verabreden. Von hier begab sich der Prinz nach Marburg, wo das Corps sich versammelte. Es bestand am 1. Juni aus fol- genden Truppen: 1 Bataillon Isenburg, 1 Ba- taillon Canitz, den Garnison-Bataillonen Grena- diere, Gundlach, Wurmb. ½ Garnison-Bataillon Freywald, 2 Compagnien Invaliden, 2 Schwa-

dronen Prüschenk, 4 Schwadronen Prinz Fried- rich-Dragoner, 1 Schwadron Husaren, 2 Com- pagnien hannôverscher jäger zu Fuss und zu Pferd, Compagnie hessischer Fussjäger, und führte 10 Geschütze bei sich. Die Bataillone sollten je Soo Mann, die Compagnien und Schwa- dronen je 200 Mann zählen, doch wurde diese Stärke nie erreicht; dieselbe betrug im ganzen nicht mehr als 3500 4000 Mann. Dazu hatten nur die Bataillone Isenburg und Canitz. die Schwadronen Prüschenk und die hannôverschen Jäger bisher im Felde gedient; die übrigen Truppen waren erst neu errichtet oder zusammen- gezogen und ermangelten nicht nur gänzlich der Kriegserfahrung, sondern noch sehr der Ausbildung. Dem letzteren Mangel abzuhelfen. erwies sich bei der Kürze der Zeit unthunlich, zumal die neu errichteten Garnison-Bataillone meist ältere pensionierte Offiziere hatten, die bei ihrer gesunkenen körperlichen und geistigen Spannkraft nicht geeignet waren, die junge Mannschaft zu beleben. Ausrüstung und Klei- dung der älteren wie der jüngeren Truppen liess dagegen kaum etwas zu wünschen übrig.

Mit so geringen und nur teilweise brauch- baren Truppen konnte Prinz Isenburg natürlich nicht daran denken, sich dem erwarteten Vor- dringen Soubise's nach Hessen ernstlich zu wider- setzen. Doch that er sein Möglichstes, um dem Feinde seine Schwäche zu verbergen. Er liess nur die Feldtruppen Isenburg, Canitz und Prü- schenk auf einer Hõôhe zwischen dem Schwan- hofe und der Lahn ein Lager beziehen; die übrigen Truppen, die noch keine Zelte bekommen hatten, bezogen Quartiere in der Umgegend von Marburg, wo das Hauptquartier des Prinzen war; die leichten Truppen stellten die Vor- posten. An geeigneten Punkten wurden Erd- werke und Verhaue angelegt, wohl um den Glauben zu erwecken, dass an eine nachhaltige Verteidigung gedacht würde. Wie wenig Prinz Isenburg selbst an diese Môglichkeit glaubte, geht am besten daraus hervor, dass er die im Marburger Schlosse befindlichen Geschütze, 7 an