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1 (1895) Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758
Entstehung
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seiner Rheinbrücken durch starke französische Entsendungen und endlich das gleichzeitige Ein- dringen der Armee Soubise's in Hessen und die ernste Bedrohung Hannovers durch dieselbe be- wogen den Herzog, an den Kückzug über den Rhein zu denken, um sich der Heimat zu nähern. Nach einigen Hin- und Hermärschen zog sich die alliierte Armee, zumal da Contades jeder Ent- scheidung auswich, bei Griethausen am 9H. und 10. Xugust auf das rechte Rheinufer zurück und lagerte sich am 10. bei Coesfeld, wo am 21. die sehnlichst erwartete Verstärkung von 8500 Eng- ländern, die bei Emden gelandet waren, zu ihr stiess. Langsam folgte Contades und ging bei Wesel über den Strom, der durch Hochwasser viele Schwierigkeiten bereitete, sodass der UÜber- gang des franzôsischen Heeres erst am 19. August vollendet war.

Nicht zum wenigsten hatten, wie oben er- wähnt, die Besetzung von Hessen und die Ge- fährdung von Hannover durch Soubise den Entschluss des Herzogs Ferdinand bestimmt. Die Armee Soubise's hatte seit Mitte Dezember zwischen Cassel und Gôttingen in den Winter- quartieren gelegen. Sie zählte damals 34 Batail- lone und 26 Schwadronen= II 700 Mann Fuss- volk und 2300 Reiter. Weiter rückwärts in Oberhessen und dem Stift Fulda lagen noch 13 Bataillone und 34 Schwadronen= 5000 Mann und 3000 Reiter, sodass Soubise im ganzen über 22 000 Mann verfügte.

Nach dem Rückzuge der französischen Hauptarmee aus Niedersachsen und Westfalen, durch welchen der linke Flügel Soubise's voll- ständig entblôsst war, wich dieser bis an den lain zurück und bezog neue Winterquartiere zwischen diesem Flusse und dem Rheine; als Stützpunkt wurde Hanau besetzt gehalten, welches man durch Wiederherstellung seiner alten Befesti- gungen in einen haltbaren Waffenplatz um- wandelte.

Nach dem mit dem Wiener Hofe abge- schlossenen Vertrage sollte Soubise's Armee bis auf 24 000 Mann gebracht werden und nach

Böhmen marschieren, um im Vereine, mit der österreichischen und der KReichsarmee den König zu bekämpfen. Sie wurde daher durch Nach- schub verstärkt, allein durch Abgabe einiger Truppen an die Hauptarmee schmolz sie auf 30 Bataillone und 24 Schwadronen(15600 Mann zu Fuss und 2400 Reiter)= 18000 Mann. Zur Ausfüllung der so entstandenen Lücke nahm Frankreich 9 Bataillone Württemberger(7800 Mann) in Sold, die indes erst Ende Juli bei der Armee eintrafen. Die Verwendung dieser Armee in Bôhmen unterblieb jedoch aus folgenden Gründen. Einesteils wünschte das Kabinett von Versailles nicht, als blosse Hülfsmacht Oster- reichs auf dem Kriegsschauplatze im Osten auf- zutreten; auch meinte man, Osterreich wünsche hauptsächlich deshalb Soubise's Absendung nach Böhmen, um an diesem Corps Geiseln für die Vertragstreue und das Ausharren Frank- reichs in dem Kampfe zu besitzen. Noch mehr aber liessen der Rheinübergang Ferdinands und die verlorene Schlacht bei Crefeld eine weitere Verwendung dieser Kräfte auf dem westlichen Kriegsschauplatze angezeigt erscheinen, um zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes des Kriegsglückes mitzuwirken. Es wurde daher nach erlangter Zustimmung des Wiener Hofes bestimmt, dass Soubise in das Hessische vor- dringen sollte, um durch Eroberung dieses Landes und durch eine drohende Stellung im Rücken der alliierten Armee gegen die Weser und gegen Hannover den Herzog Ferdinand zur Räumung des linken Rheinufers zu zwingen und so der be- drängten Armee Clermonts Luft zu machen. Der Aufbruch der Soubise'schen Armee war für den 22. Juni bestimmt; allein erst am 3. Juli vereinigte sich dieselbe in zwei Lagern bei Hanau und Hôchst am rechten Mainufer, um von da aus die Operationen gegen Hessen zu beginnen.

Um Hessen vor neuen Bedrängnissen durch die Franzosen zu schützen und einem Vordringen derselben in seinem Rücken möglichst entgegen- zuwirken, trat Ferdinand von Braunschweig in Unterhandlungen mit dem Landgrafen Wil-

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