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1 (1914)
Entstehung
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zieht in breiten Wellen bis zum Horizont hin, wo es sich in ernster Linie mit diesem berührt. Wie groß erscheinen die kleinen Geräte im Vordergrund so namentlich bei demAbendläuten, wie klein da⸗ gegen die doch eigentlich große Kirche im Hintergrund. Hierdurch entsteht auch die Wirkung der Weite, ja fast der Eindruck der Inendlichkeit. Man meint,der Erdgeist walle unsichtbar über die Fluren. Die Erde erscheint als mächtiges Postament für das Einzelleben. Diesen Eindruck, den man fast religiös nennen kõnnte, noch zu steigern, dient auch das Licht, so bei dem Schäfer, vor allem bei dem Abendläuten. Ein Zauber entsteht durch die Beleuchtung, ein fast mystischer Glanz liegt auf der rechten Seite des Mannes, So glauben wir, wirklich die Abendglodken läuten zu hören.

Wie ist nun der Charabter seiner Kunstꝰ Erscheut vor der Häßlich- keit nicht zuru. Er verschõnert nichts. Einige Beispiele werden angegeben: die Kleidung seiner Gestalten nicht den Sonntagsstaat sehen wir, son- dern den gewöhnlichen Arbeitskittel die Füße in den großen Schuhen, die großen Hände, die groben Züge, das Tierische im Ausdrude, z. B. bei dem müden Manne mit der Hadae. Also Millet gibt das Charakteristischo wieder. Auch diese Kunst ist eine Lunst es Ausdrucks, So hat er ja selbst gesagt:Wenn ich eine Mutter malte, so malte ich sie schön, allein durch den Xusdruck, mit dem sie ihr Kind betrachtete. Keine schöne Frau will er also geben, kein schönes Kind, keinen schönen Faltenwurf und keine schönen Bewegungen. Schön soll nur bei ihm sein das Seelische, das aus dem Gesicht spricht, in diesem Falle die Mutterliebe.(Wir erinnern an die Ge⸗ stalt der Mutter auf dem Steenschen Bilde, wir erinnern auch an das, was wir vorhin über das germanische Kunstideal sagten.)

Aber Millet geht in der Wiedergabe des Charakteristischen noch weiter, er vereinfacht, er gibt das Typische. ¹ Bei ihm finden wir das sogenannte Großésehen, d. h. er ordnet alle Einzelheiten unter und zwar unter das, was herrschen, was betont werden soll. Hier steht er im Gegensatz zu Leibl. Denken Sie daran, wie Leibl die Kleidung seiner Bäuerinnen und ihren Schmud bis in die kleinste Kleinigkeit genau wiedergegeben hat. Ganz anders Millet. Er gibt das Gesicht seiner Leute vielfach nur in Umrissen, alles Gleichgültige, mehr Porträthafte merzt er aus. Er wirkt darin fast silhouettenhaft. Er will z. B. keinen bestimmten Schäfer, keinen bestimmten Säemann geben, sondern er gibt den Schäfer, den Säe- mann überhaupt. Genau so ist es übrigens ich möchte das nicht näher ausführen in der hellenistischen Kunst, wir sehen da nicht einen be⸗ stimmten Fischer, sondern gleichsam die Idee, den BegriffFischer.* Es ist hier nur das wiedergegeben, was zur Vorstellung unbedingt gehört.

Das gleiche Großsehen finden wir auch in der Weise, wie Millet z. B. den *