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1 (1914)
Entstehung
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Millet der Milletmappe des Kunstwarts entnommen stehen oder hängen an der Tafel, so kann nach eigener Entscheidung der Schüler die Frage beantworten:MWie sieht Bei Millet der Bauer aus, von welchem Standpunkt aus gibt er ihn wieder? Er gibt den Bauer nicht wieder wie Teniers, Ostade und Defregger bei Spiel und Tanz, also nicht beim Ver- gnügen und in der Feierstunde, auch nicht in allen möglichen mehr oder weniger komischen Lagen, wie namentlich Vautier. Millet malt die Bauern bei dem, was ihnen eigentümlich ist, was ihr Leben eigentlich ausfüllt, Her der Arbeit auf dem Telde. Aus seinem Werk heraus erklingt das ge- waltige Wort des 19. Jahrhunderts, das Wort, das die Menschheit groß gemacht hat in den Jahrtausenden ihrer Entwicklung, das Wort Arbeiten.

Dies Allgemeine wird nun an einzelnen Bildern näher besprochen. Zu- nächst mehr nach der Seite des Inhalts, doch hiervon ist ja oft das Formale nicht zu trennen.

1. Der Mann mit der Hae. Er ruht aus von seiner anstrengenden Arbeit, fest auf seine Hacke gestützt, mit krummem Rücken, vorn über- gebeugt, den Mund weit geöffnet, stieren Blickes. Man glaubt, sein Keuchen und Stöhnen zu hören, das ist eigentlich das Wesentliche an der Auffassung Millets: es ist die Last der schweren Arbeit, die hier zum Ausdrudk kommt.

2. Das Abendläuten, gewöhnlich Angelus genannt. Das Wort wird erklärt.) Sie arbeiten auf dem Felde, der Mann und die Frau, da läuten die Abendglocken, beide legen ihre Geräte hin, er entblößt sein Haupt, beide neigen den Kopf, falten die Hände und beten. Wieder anders

3. Der Jäemann. Mit großen, festen Schritten schreitet er dahin, mit groben Bewegungen. Etwas Mächtiges, Maiestätisches liegt in seinem Gang, in der Bewegung seiner Hände. Was ist damit ausgedrückt? Wie ein Herrscher erscheint er, er ist sich der Größe, der Bedeutung seines Tagewerkes bewußt, er denkt an die vielen, die ja nur leben durch ihn. Was wãäre der Städter ohne den Bauern, ohne den Säemann? Wie könnten geistige Werte geschaffen werden, wenn er nicht säte, auf daß die anderen zu essen haben?.

Es folgt jetzt das Allgemeine der Kunst Millets. Die Gestalten Millets wirken so gewaltig, so erhebend, sie haben etwas Feierliches. Woher kommt das? Sie erscheinen so groß durch die Heraushebung der Silhouette bei tiefem Horizont. Es ist, wie wenn wir abends in einer gewissen Ent- fernung einen Bauern auf seinem Adkergaul nach Hause reiten sehen. Wie hebt er sich ab von dem helleren Fintergrund des Himmels. Es ist wie ein großes gewaltiges Denkmal. Wir betrachten auf diesen Punkt hin die Bilder nochmals. Der Horizont ist verhältnismähßig klein, aber um so grõßer

die Fläche der Erde, der Raum. Ein flaches, weit gefurchtes Ackerland