ie folgende Stunde findet in der Schule statt. Es handelte sich hier
um die Besprechung einiger Fragen, bei denen nicht die Originale
der Galerie, sondern viele Abbildungen nõtig waren. Hierzu schien das Schulzimmer geeigneter.
Zunächst berichten zwei Schüler über Ostade: In der Workstatt, und TZeniers Lersuchung des heiligen Antonius, nach Wiedergaben des Kunst⸗ warts(Nr. 104, 90). Bei Ostade ist besonders das Kulturgeschichtliche hervorzuheben, man sieht, wie es damals in einem Maleratelier aussah, doch darf dieser Gesichtspunkt— daran wird erinnert— bei der Be⸗ urteilung des künstlerischen Wertes nicht in die Wagschale fallen.
Bei dem Bilde von Teniers tritt besonders das Humoristische hervor.
Drei Fragen sind es dann, die wir heute besprechen wollen. ²9
1. An Beispielen soll der Unterschied zwischen dem Schönheitsidoal der italienischen und der germanischen Kunst gezeigt werden.
2. Wir wollen einige Sittenbildmaler, namentlich Bauernmaler des IO Jahrhunderts besprechen und
3. Wir wollen das Wesen der Kunst von Millet und Meunier nachzu- weisen versuchen.
1. Das Schõnheitsideal der italienischen SrnTADM,D 3 und germanischen Kunst, ²) Wirstellen zunächst noch einmal fest, was wir HERMAMISCIENKINSI hierüber bei der Besprechung des Bildes
von Steen gefunden haben. Wir sprachen damals von dem Charakte-⸗ ristischen in der germanischen Kunst und davon, daß der germanische Künstler sich nicht mit der Schönheit der äußeren Form begnügt. Wenn wir nun hier von der Verschiedenheit der Schönheitsauffassung bei Italienern und Germanen reden, so soll damit, das muß man von vornherein be⸗ tonen, Kein Urteil über den Wort ihrer Kunst gefällt werden. Es handelt sich nur darum, vor jenem leider noch immer vielfach verbreiteten Fehler zu warnen, die so ganz anders geartete germanische Kunst mit dem Maß⸗ stabe der italienischen Kunst zu messen. Es ist gerade so, als ob man Schiller an Goethe, Wagner an Beethoven messen und hiernach beurteilen wollte, oder umgekehrt.


