Druckschrift 
1 (1914)
Entstehung
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19.

die Beziehung zwischen den Personen, das Seelische, tritt hier mehr hervor als bei Terborch. Wie wenig Terbono oft Wert legt auf den Gesichts- ausdruda, zeigt ganz besonders gut sein Bild: Das Konzert(in Berlin). Hier ist die Frau vom Rücken gesehen, ihr Gesicht ist garnicht sichtbar. Dem Maler ist also hier wieder nicht der Gesichtsausdrud oder irgend eine Porträtähnlichkeit die Hauptsache, sondern vor allem die Wiedergabe der Kleider und des Lichts, wieder mehr das Wie.

Dieses Bild wird in einer Wiedergabe des Kunstwarts gezeigt. So benutzt der Lehrer diese erste Gelegenheit, um auf die Bilder des Kunst- warts aufmerksam zu machen. Sie kosten nur 25 Pfennige und sind in jeder grõßeren Buchhandlung vorrãtig. Neben den nicht farbigen Bildern erhält man noch einen Umschlag, auf dem, abgesehen von einigen kurzen Notizen über das Leben des betreffenden Künstlers, oft sehr gute Be- merkungen stehen, die den Zwede haben, zum Genusse anzuleiten. Aller⸗ dings vermißt man oft, so auch bei Terborch, die Wiedergabe der Farben. Einen vollgültigen Ersatz für das Original kann natürlich keine Wieder- gabe bieten, so sind auch die Kunstwartblãtter mehr eine Erinnerung für den, der das Original kennt. Aber sonst kann man doch manches durch sie lernen. Farbige Abbildungen sind oft noch gefährſicher, weil sie die Farben schlecht wiedergeben und dadurch eine Täuschung hervorrufen. Unbedingt zu warnen ist aber vor den bunten, billigen Karten, wie man sie oft in den Läden findet. Die Kunstwartblãtter enthalten besonders Werke der germanischen Kunst, unser Dürer namentlich, auch Rembrandt ist sehr zahlreich vertreten. Daneben gibt der Kunstwartverlag auch Mappen heraus, die sogenannten Kunstwartmappen, in denen nur Bilder eines bestimmten Künstlers ent⸗ halten sind. ¹⁰

Wir gehen ũüber zu den Bildern Wouwermanns. NOUNENAN Uber 700 Bilder sind uns von ihm bekannt, man hat ausgerechnet, daß er etwa alle 14 Tage ein Bild gemalt hat. Er ist sehr vielseitig, so malte er Kriegsszenen ein Beispiel wird gezeigt(Kat. 353, Kab. 10), meist sind es Türkenkämpfe. Dies sind wohl seine schwächsten Bilder, sie haben etwas Steifes an sich, sie entspringen nicht der Wirklichkeit, sondern mehr der Phantasie, sie erinnern an Kampfszenen auf dem Theater. Dann schildert er vor allem das Leben der Schloß⸗= und Hüttenbewohner, wie man kurz sagen könnte. So zeigt er uns die Vornehmen auf der Falken- jagd oder beim Schmied, wie sie ihre Pferde beschlagen lassen. Ein schönes Beispiel finden Sie in Kab. 5:Der Sched vor der Schmiede(Kat. 362, Kab. 5). Oder er gibt Bilder von dem Leben und Treiben auf der Land⸗

.. straße, sodie rastenden Bauern oder ein anderes,der Güterwagen 2*