Druckschrift 
1 (1914)
Entstehung
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20.

(Kat. 348 und 349 Kab. 10). Die schönsten seiner Bilder hängen in andern Kabinetten, durch die wir jetzt nicht kommen, namentlich in Kab. 5.

Einige allgemeine Züge werden abgeleitet. Zunächst findet man fast auf allen seinen Bildern einen Schimmel, darum nennt man ihn wohl auch den Stzimmelmaler, Warum tut er das? Wir stellen dies durch Fragen fest. Er liebt den Schimmel, er hat Interesse für Pferde(hierbei kommen wir auf die Bemerkung über die Tierſiebe der germanischen Künstler zurũdo, aber auch andere Tiere malt er, Hunde, Ziegen, Geflügel aller Art. Doch der Hauptgrund ist ein mehr formaler, er will Weiß in seinen Bildern haben, Welche Wirkung übt das aus, denken Sie sich den Schimmel als Rappen. Das Pferd träte dann nicht so hervor, überhaupt fehlte es dem Bilde an Leuchtkraft. Dann kommt noch hinzu, daß Weiß die andern Parben hebt und ihre Leuchtkraft steigert.

Auch die Feinheit der Teæchnibk wird hervorgehoben. Wie klein sind seine Bilder, und doch wie fein und zart sind die vielen Personen daraufgemalt, jeder Pinselstrich ist verdedet, man merkt ihn nicht. Dies ist hervorzuheben im Gegensatz zu einer anderen Technik, die wir besonders bei Frans Hals finden. Wouwermann ist ein trefflicher Vertreter der sogenannten Miniatur- malerei(das Wort wird erklärt). Er ist auch sehr solide in seiner Technik, die Bilder haben eine Frische, als seien sie erst gestern aus der Werkstatt des Künstlers hervorgegangen. Man kann das nicht von allen Bildern un⸗ serer Zeit sagen. So zeigte ein Bild von Bödklin im Prankfurter Städelschen Institut schon vor zehn Jahren Risse, das liegt an der Art der Technik.

Fast modern muten uns Bilder des juüngeren Bruders dos berihmten MWouwermann an, vor allem die Heidelandschaft mit Keiterzug(Kat. 36 Kab. 10). Hier spielt die Landschaft eine große Rolle. Die Figuren, man nennt dies Staffage, treten hier sehr zurüdk. Woher kommt hier das Wirkungsvolle? Es ist zunächst der Xusblick in die Landschaft, und dann noch etwas, was einer Landschaft erst Leben und Stimmung gibt, die Be- leuchtung und die Wolken.

Auch hier können Sie wieder erkennen, welche Wirbung die Kunst auf unser Innenleben hat. Die Maler zeigen uns z. B., wie schön eigentlich die Wolken sind mit ihrer oft so phantastischen Gestalt. Sie machen uns darauf aufmerksam, wie verschieden eine Landschaft wirktt, je nach der Beleuchtung. ²0 Denken Sie an gestern abend gegen sieben Uhr, welch eine merkwürdige Beleuchtung bei dem herannahenden Ge- witter. Achten Sie auch darauf draußen in der Natur selbst, lernen Sie, auch in dieser Hinsicht mit Künstleraugen in die Welt zu blicken. Stellen Sie sich zum Beispiel selbst die Frage, wie hätte ein Maler diese Baum- gruppe, diese Wiese, diese Russicht aufgefaßt. F ragen Sie sich auch, welches