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den Auftrag, sich darüber auszusprechen, welches von beiden ihnen besser gefällt und dafür die Gründe anzugeben.
Um Gelegenheit zu geben, das Wichtigste von den bisher besprochenen allgemeinen Bemerkungen noch einmal zusammenfassend ins Gedächtnis zurückzurufen, stellt der Lehrer die Aufgabe, den Satz:„Die Künstler sind Freudebringer, Pfadfinder, Erzieher der Menschheit“ nach den drei besprochenen Bildern zu beantworten.
Hier fügt der Lehrer dann erweiternd hinzu:„Wie wichtig der Blid für das Wesentliche, die verständnisvolle Liebe zum Charakteristischen ist, zeigt ihnen, daß ein Teil der Kunst garadezu darauf beruht und ganz un- verständlich ist für den, der diesen Sinn nicht hat. Das ist die Karikatur.“¹ Ein paar Worte fallen über Wilhelm Busch. Auf die augenblickliche Nus- lage eines Kunstladens wird hingewiesen(Karikatur des Kapellmeisters Reger). Auch der Porträtmaler hat diesen Sinn für das Wesentliche nõötig. Er wird bei den Personen, die er darstellt, nicht die schöne Seite wählen, wie es bei den gewöhnlichen Photographen üblich ist, sondern er wird die Möglichkeit nehmen, die für das Wesen der betreffenden Person wesentlich ist und ihren Charakter am besten zum Ausdrud bringt, mit einem Worte gesagt, er wird das Charakteristische wiederzugeben versuchen. 18
IETSU Es folgt die Besprechung einiger weiterer Bilder, die zum höheren Sittenbilde gehören. Der Name wird erklärt. Sie stellen Personen und Szenen aus dem Leben der höheren, besseren Stände dar. Das Bild Metsu. Die Laurenspielerin(Kat. 301. Kab. 10) gibt Gelegen- heit, durch einen Vergleich mit den zwei Bildern von Terborch die dort gewonnenen Gesichtspunkte nochmals zu wiederholen. Wenig Personen, kein Inhalt, das Wie die Hauptsache, aber die Farben sind bunter— sie werden im einzelnen aufgezählt—, es ist nicht die Einheitlichkeit der Farben- symphonie wie bei Terborch. Es ist Geschmacksache, wem man den Vor- zug zu geben hat. Der Hintergrund ist dunkel, so hebt sich die Farbe besser ab, der Ton tritt zurüde, die Personen treten im Gegensatz zu Terborch sehr hervor. Der Gesichtsausdrud der Personen, was sie sagen oder fühlen, wird im einzelnen festgestellt chierbei wird daran erinnert, wie man sich darüber Rechenschaft geben kann). Zur Deutung erinnert der Lehrer an einen Xusspruch Goethes, dieser hat einmal gesagt, es wäre so anziehend, sich eine Geschichte zu einem Bilde zu denken. Wendet man dies auf unser Bild an, so könnte man dazu kommen, an eine Liebesgeschichte zwischen der Frau und dem Manne zu denken, man könnte glauben, der Künstler wolle gerade darstellen, wie„er“„ihr“ seine Liebeserklärung macht. Also


