Druckschrift 
1 (1914)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

gültiges oder sogar Häßliches bemerkten. ¹60 Es ist, als ob wir alle eine Brille auf der Nase hätten, aber es ist keine Brille, die uns verunstaltet, die andere sehen, es ist eine Zauberbrille. Sie zeigt uns alles in rosigem Lichte, sie läßt uns das Leben schöner und lichter erscheinen. So erhöhen wir in edler Weise durch die Beschäftigung mit der Kunst unsere Freude am Leben, unseren Lebensgenuh, denn dies ist etwas Höheres und Edleres als jener Genuß, den so viele Leute haben oder sich einbilden zu haben, wenn sie politisierend hinter dem Bierkrug sitzen.

TERBORCH Im Anschluß an das Bild von Steen kolst eine Kurze Be⸗

sprechung der zwei schon oben erwähnten Bilder von Terborh, die Lautenspielerin und die Hausmusik.(Kat. 288. 289. Kab. 10). Wir gehen von der Prage aus, welcher Unterschied rein außerlich betrachtet findet sich zwischen dem Steenschen Bilde und der Lautenspielerin von Terborch. Es finden sich bei Terborch viel weniger Personen, hier nur eine Person, fast gar kein Inhalt. Das Zimmer ist nur eben angedeutet, so ist das Bild, das an der Wand hängt, noch weniger zu erkennen als auf dem Bilde von Steen. Der einzige Schmudk ist ein Metallkästchen auf der schwarzen Sammettischdedke. Sie haben damit, so erklärt der Lehrer, die Hauptzüge der Kunst von Terborch schon erwähnt. Er hat auch sonst nur sehr wenig Personen auf seinen Bildern, höchstens drei. Die Handlung, die er uns vorführt, ist immer sehr unbedeutend: man liest, schreibt, übergibt einen Brief oder musiziert.

Um nun wieder von unserem Bilde zu sprechen, so könnte man be- haupten, daß es trotz seiner größten Einfachheit im Inhalt, im Was, in seiner Art eins der schönsten Bilder unserer Galerie ist. Worin liegt nun der Reiz unseres Bildes, oder was will der Künstler mit seinem Bilde? Für ihn ist die Hauptsache das Farbige, er will uns eine Nugenweide geben. Das Wesentliche ist die Schönheit der Farbe und die kunstvoll gestimmte Barbenharmonie von Weiß und Gelb, dazu kommt die Kunst, die Stoffe, Seide und Atlas, wiederzugeben. Dies ist die Hauptsache, und darum ist auch alles vermieden, was stören könnte. Nuch auf den Gesichtsausdrude ist gar kein Wert gelegt, der Maler will uns keine interessante Szene vorführen, wie etwa Steen. Sie sehen schon an diesem Bilde das ist auch eine Eigentümlichkeit mancher modernen Bilder, daß ein Bildauc ohne Inbaſt, allein durch das Wie, seino Torm, ein Kunstwerk sein kann. Ja, das Wie ist eigentlich das Künstlerische.

Wir vergleichen sodann die beiden Bilder von Terborch hinsichtſich der

Kleidung und Tätigkeit der dargestellten Personen. Die Schüler bekommen 2