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man zu folgendem Ergebnis kommen. In Holland herrschte damals der Calvinismus, dieser war sehr streng und verbot unter anderem auch den Bilderdienst in den Kirchen. So haben wir in der holländischen Kunst keine großen Andachtsbilder, im Gegensatz zu dem katholischen Vlamlande. Wäre es nun nicht denkbar, daß die Kirche auch gegen dies lustige, viel- leicht zu derbe Treiben am Dreikönigstage, namentlich in der Offentlichkeit, vorgegangen ist? Dieser Ansicht der Kirche versetzt dann unser Künstler hier einen Hieb durch die Art und Weise, wie er seine Gruppe rechts dar- stellt, namentſich durch die Aufschrift„Priester“.„Ihr seid doch zu streng in eurem Verbot, zu weltfremd, ist denn wirklich eine harmlose Fröhlichkeit, wie ich Sie euch hier zeige, so schlimm, daß ihr sie zu verbieten braucht?“ So etwa spricht der Künstler in dem Bilde.
VrHorfgeff veeweeenermarerne UNSANDEDT ELDE Bedeutung. Zunächstsollihre Beantwortung der allgemeinen Kritibklosigkeit entgegenarbeiten. Viele Leute urteilen ohne Begründung, so ergehen sie sich in großen Lobeshymnen, wenn sie einen berühmten Namen unter dem Bilde lesen, oder sie gebrauchen Worte wie: grüner Spinat, abscheuliches Geschmier, Bazzerei oder ähnliches, wenn vielleicht der Name des Künstlers unbekannt ist, oder wenn sie in der Zeitung— oft aus ganz persönlichen Gründen— eine absprechende Kritik gelesen haben. So dürfen wir es nicht machen. Wir müssen uns vielmehr stets Rechenschaft geben über unser Urteil, unser Verhältnis zu dem be- treffenden Kunstwerk. Wir sollen immer daran denken, was wir schon vor⸗ hin sagten, daß die Bilder nicht gemalt sind, um unserem Verstand Gelegen- heit zu geben, sich im Kritisieren zu üben. Hinter den Bildern stedkt ein Mensch, wie wir, mit Fleisch und Blut, der sein Bestes gab, warmes lebendiges Herzblut pulsiert in dem wahren Kunstwerk. So haben wir kein Recht, mit unserer absprechenden, oft sehr oberflächlichen Kritik vorzugehen und alles zur Strecke zu bringen.
Oſft kommt es nun auch vor, daß uns ein Bild, ein Gedicht oder ein Musikstück kalt läßt, daß es uns weder gefällt noch mißfällt. Was sollen wir dann tun?⸗ ScUh., Dann sollen wir uns eben jedes Urteils enthalten. L., Oder wir sollen zum Beispiel sagen:„Zu mir spricht Rembrandt nicht, ich ziehe die Italiener vor“, oder:„Ich bin in meinem Kunstverständnis noch nicht so tief eingedrungen, um einen Wagner verstehen zu können.“ Also auch hier gilt es, ehrlich und wahrhaftig zu sein und nicht aus Eitel- keit irgendwelche schönen, aber hohlen Phrasen zu machen oder Worte nachzuplappern, die man gelesen oder von andern gehört hat.


