Druckschrift 
1 (1914)
Entstehung
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Haltung und Benehmen uns besonders gefällt. Nein, er hat gut beobachter und gibt es nun so wieder. Er hat Achtung vor der Wahrbeit und er liebt die Wirklichkeit, das Wesentliche, das Charatkteristische. Die Schönheit dieser Frau liegt also mehr in dem Psychologischen, dem Seelischen, es isteben die Ichöncteit des Charakteristischen wie man es ambesten ausdruckt. Das ist ũberhaupt die Schõnheit der germanischen Kunst, zu der ja auch die Kunst der Niederſänder gehört. In diesem Sinne müssen Sie auch den Mann in Schwarz, der am Tische sitzt und seinen Mund so aufreißt, auffassen und den anderen Mann vor dem Tische, der die Beine so schief stellt und das ganze Gesicht verzieht. Alles dies soll nicht schön sein im eigentlichen Sinne. Ja aber warum stellt denn der Maler diese Personen so dar?. ScUh. Weil dieser Rusdrucdk am besten die lustige Stimmung dieser Leute charakteri- siert. · L., Wir werden jetzt die vier anderen Personen der Mittelgruppe nach ihrer Kleidung, Haltung und nach ihrem Gesichtsausdrudk besprechen. Der Mann, der vor dem Tische steht, ist der sogenannte Rommelpottspieler. Das Wort Rommelpott wird erklärt. Es ist dies ein irdenes Gefäß, über das man eine Schweinsblase gespannt hat. Man schlägt mit einem Klöppel(hier ist es ein Löffeh darauf und ruft so einen Ton hervor wie auf einer Trommel. Es wird besonders auf den Zettel aufmerksam gemacht, den der Rommelpottspieler auf dem Hute trägt. Dieser hat die Aufschrift sot, es bedeutet Narr. Er gibt damit gleichsam seine Visitenkarte ab. Es erinnert dies an einen ãhnlichen Gebrauch in Frankfurt amWäldsches⸗ tag, das heißt am 3. Pfingsttag. Hier tragen bei dem lustigen Treiben im Frankfurter Stadtwald die Leute alle möglichen Zettel mit oſt wenig passen- der Aufschrift am Hut oder am Rod. Die Kunst der Charalteri- sierung zeigt sich bei der Frau, die an dem Tische sitzt, in ihrem zufriedenen. Lãcheln und in der Art, wie sie die Hände ũber dem Leib gefaltet hat. Es drũckt dies ihre Zufriedenheit und Behaglichkeit aus.(uch dies wird durch Fragen und Antworten festzustellen sein wie auc=h das Folgende). Zu verschiedenen Deutungen gibt der Gesichtsausdrudc des Mannes Anlaß, der am Tische sitzt. Es handelt sich um die Erklärung, warum er seinen Mund so weit öffnet und seine Stirn in Falten legt. Er sieht den Rommelpottspieler an, und ein Teil der Schüler meint, er gäbe seinem Arger Luft über den un- angenehmen Lärm, den dieser macht. Andere meinen, er singe irgend einen Gassenhauer, vielleicht begleitet ihn der Rommelpottspieler dazu, wenn man das überhaupt Begleitung nennen darf. Hierbei erörtern wir die Frage: was hat man zu tun, um im Zweifelsfall einen Gesichtsausdrudk richtig zu deuten. Man ahmt den entsprechenden Gesichtsausdrud nach und fragt sich, aus welchem Grunde oder wann man einen soſchen Ausdrud annimmt. Auch der Hund darf nicht vergessen werden, es ist kein Zufall, daß hier