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Welch ein gesunder, notwendiger Gegensatz ist dies alles gegen die Anhäufung von allem möglichen nützlichen, aber oft so toten Wissen, gegen die so einseitige Verstandesausbildung. Wie wichtig ist dies gerade in einer Zeit wie der unsrigen, wo noch immer das Wissen und der Ver⸗ stand auf Kosten des Gefühls und des Gemüts zu stark entwickelt werden, wo neben erfreulichen Zeichen zu höherem Aufschwung öde Verflachung und Oberflächlichkeit immer mehr um sich greifen, wo alles Außere und Stoffliche soſch gewaltige Macht entfaltet auf Kosten des Geistigen und Innerlichen.
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele.“
Uerinnerlichung, Durchbgeistigung, das tut uns not. Und dazu kann und soll uns die Kunst helfen.
So ist also der kunsterzieherische Gedanke ein Teil des Kulturproblems. Die Kunst oder besser die Erziehung zur Kunst, das heißt zur Fähigkeit, wahre echte Kunst gut und klar zu sehen, warm zu empfinden und ver- stãändnisvoll zu genießen, soll uns einer hõheren Kulturstufe entgegenführen. Hieraus ergibt sich die Berechtigung, auf der Schule, vor allen dem huma- nistischen Gymnasium, Kunst mit den Schülern zu treiben.
ZIELE DER BESCHXAF- Uber das Ziel im einzelnen wollen TIGUING MIT DEER KUINST vir hier nicht eingehend sprechen. AUF DER SCHLILE Grundlegend sind noch immer und
werden es bleiben die Bücher von Konrad Lange und vor allem von Alfred Lichtwark.*
Lichtwarks Ziel läßt sich mit seinen eigenen Worten in Kürze etwa so angeben.“„Die Betrachtungen sollen Interesse erregen. Das Kind soll lernen, genau das einzelne Kunstwerk anzusehen, es soll sich Rechenschaft geben, was der Künstler ausdrücken will. jede einzelne Gestalt bis in die geringste Einzelheit ist durchzunehmen, jede Bewegung, jede Geste auf ihre Bedeutung hin zu prüfen, dann muß die Farbe und die Beleuchtung betrachtet werden. Von Zeit zu Zeit ist bei passender Gelegenheit zurüde zu greifen und eine Stichprobe über irgend eine Einzelheit zu machen. Es muß verlangt werden, daß jede einzelne Figur bis in die leisesten Be- wegungen aus dem Gedächtnis wiederholt werden kann. Nur keine Kritik, das gesunde Kind hat kein Bedürfnis danach, es will genießen, diese Kraft des Herzens muß entwickelt werden.“
Diese Grundsätze müssen, so scheint mir, die Grundlage bilden für die Betrachtung von Kunstwerken in der Schule. Hiermit mag man sich be⸗


