Druckschrift 
[2] (1858)
Entstehung
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Dasselbe gilt von den übrigen Sinnen des Geruchs, Geschmacks und Gefühls; zunächst des Geruchs: unguentis minus diu nos delectari u. s. w. So lautet die Vulgatlesart, wie sie auch von Ellendt und Orelli recipiert ist; und doch steht zwei Ausdrücken in derselben eine gewich- tige Autorität entgegen. Bei Plinius hist. nat. XIII 3, 4 heiszt es: in M. Ciceronis monimen- tis invenitur unguenta gratiora esse, quae terram, quain quae crocum sapiant, und ebenso XVII 5, 3 Certe Cicero, lux doctrinarum altera,meliora, inquit, unguenta sunt, quae terram, quam quae crocum sapiunt; hoc(nämlich sapere) enim maluit dixisse, quam redolent. An- zunehmen, dasz Plinius eine andere Stelle Ciceros im Sinne gehabt, oder dasz er sich in der Anführung der Ciceronianischen Stelle beide Male geirrt habe, ist an sich schon sehr mislich, und wäre nur dann gerechtfertigt, wenn innere und äuszere Gründe dem Citat, wie es Plinius gibt, entgegenständen. Dem ist aber in Beziehung auf das Hauptwort terram wenigstens durch- aus nicht so; terram ist nicht nur handschriftlich beglaubigt(wenn auch die Mehrzahl der Handschriften ceram hat), sondern erweist sich auch bei näherer Betrachtung als allein rich- tig und ceram als Corruptel. Es wird an unserer Stelle ein Gegensatz gemacht von unguentis summa et acerrima suavitate conditis und his moderatis. Erinnert man sich nun, dasz Cicero hier im III B. das nachmittägliche Gespräch des zweiten Tags, an dem von der blumenreichen Ausschmückung der Rede gesprochen werden soll, sehr sinnreich mitten in den Park unter schattige Bäume und den gewürzreichen Duft der frischen Waldesblumen verlegt hat¹) wie das vormittägliche Gespräch, wo es sich um die Architektonik der Rede handelt, in den künst- lich gebauten Porticus ²), so wird man sofort einsehen, dasz Crassus mit den his modera- tis auf den einfachen, natürlichen aber köstlich duftenden Pflanzengeruch hinweist. ³) den sie mitten im Freien jetzt einathmen, im Gegensatz zu den künstlichen pikanten nervenreizenden Parfümerien anderer Art. Diesen moderatis unguentis entspricht aber nun, in der so häufigen chiastischen Stellung, quod terram redolet, den acerrima suavitate conditis dagegen der cro- cus, der mit Waszer und Wein und anderen Ingredienzen versetzte Safran, ein damals häufiges, besonders für den Theatergebrauch übliches Parfum; eine künstliche Mixtur, die durch das Penetrante und Pikante ihres Geruchs auf die überreizten Nerven stärker wirkte, als der na- türliche Pflanzengeruch, der frisch und gesund von dem mit Blumen und wolriechenden Kräu- tern bedeckten Erdboden aufsteigt, wie eben Plinius h. n. XVII 3, 38 diesen odor terrae schil- dert: cum a siccitate continua immaduit imbre, tunc emittit illum suum halitum divinum ex sole conceptum, cui comparari suavitas nulla possit. Die Lesart ceram ist also entweder ein bloszer Schreibfehler aus Versehen, oder sie rührt von einem hyperklugen Abschreiber her, der terram nicht mehr vertand und um dem crocus etwas seiner Meinung nach Homogenes entge- genzustellen in das unpassende ceram verwandelte. Ebenso ist auf Plinius Autorität hin auch wol sapere zu schreiben, was bekanntlich schon bei Plautus Pseudol. II 4, 47 vom Geruch,

1) 111 5, 18.

2) II 5, 20.

3) Ganz ebenso erhalten die Worte III 5, 20 omnia haec quae supra et subter erst ihr rechtes Verständnis, wenn man bedenkt, dasz Crassus mit seinen Gästen im Freien ist, und mit den Worten auf den Himmel über ihren

Häuptern und die Erde unter ihren Füszen, also auf das ganze Universum hinweist.