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[2] (1858)
Entstehung
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gen in einem nach seiner Ausgabe erschienenen Programm will ut beibehalten, jedoch den ganzen vergleichenden Satz: quemadmodum in clipeo idem artifex als Glossem aus dem Text entfernt haben. Dem steht aber das entgegen, dasz man hier die Beziehung auf den Schild des Minervenbildes, dessen Cicero auch im orator c. 71, 234 gleichfalls in oratorischer Hinsicht erwähnt, ¹) sehr ungern vermissen würde.

Ein Glossem ist allerdings in der Stelle, nämlich die beiden Worte ‚idem artifex. die genau betrachtet ein zu dem Ganzen nicht passender, störender Bestandteil sind. Antonius stellt näm- lich hier nicht Bild und Gegenbild, jedes gesondert gegenüber, so dasz auf der einen Seite die künstlerische Thätigkeit des Phidias, auf der andern, dieser gegenüber, die des Redners stände, sondern er läszt Bild und Gegenbild zusammenfallen, und sagt: wenn einer die Kunst der gericht- lichen Beredsamkeit so versteht, dasz er als ein zweiter Phidias eine Athene Parthenos zu Stande bringen kann, dann wird er warlich nicht in Verlegenheit zu kommen brauchen, wie er die kleineren Kunstwerke am Schilde machen soll; denn so bedeutend diese auch immerhin sein mögen, ²) so sind sie doch im Verhältnis zu dem groszen Götterbild untergeordneter Art, und bieten für den, der die ganze Statue bilden kann. keinerlei Schwierigkeiten dar, die er mittelst seiner allgemeinen künstlerischen Virtuosität nicht mit leichter Mühe überwinden könnte.

Nun steht in dem Satz: non sane quemadmodum in clipeo minora illa opera facere discat laborabit Alles im besten Verhältnis, ohne dasz wir nötig hätten,ut einzuschieben, das sich ohnehin nicht gut unterbringen läszt. Dem Minervae signum steht in clipeo, das sig- num den minora opera in scharfem Gegensat⸗ als die Arbeit éines Meisters gegenüber; hat es der Redner zur Meisterschaft in der éinen Hauptfigur gebracht(in dem Minervae signum d. h. dem genus iudiciale), so wird es ihm sicherlich keine groszen Schwierigkeiten machen, sich die nötige Fertigkeit zur Bildung der anderen kleineren Nebenfiguren am Schild(in clipeo illa mi- nora d. h. in den andern untergeordneten Zweigen der Beredsamkeit) zu erwerben. So erhalten wir einen ganz ähnlichen Gedanken wie ihn Crassus hernach hinsichtlich der stilistischen Fer- tigkeit ausspricht III 31, 125 Sit modo is, qui dicet aut scribet, institutus liberaliter educatione doctrinaque puerili et flagret studio et natura adiuvetur et in universorum generum ininitis disceptationibus exercitatus ornatissimos scriptores oratoresque ad cognoscendum imitandumque delegerit, nae ille haud sane, quemadmodum verba struat et illuminet a magistris

istis requiret. Wie leicht aber quemadmodum zu dem Glossem idem artifex Veran- laszung geben konnte, bedarf keines weiteren Nachweises. 5.

II 23, 96. Ouod si hic noster Sulpicius faceret, multo eius oralio essel pressior; in qua nunc interdum, ut in herbis rustici solent dicere, in summa ubertate inest luæuries quaedam, uae slilo depascenda est.

Schon oben(c. 21, 88) hatte Antonius von der hohen oratorischen Begabung des jungen

1) Ebenso die ganze Statue Minervae signum ex ebore pulcherrimum als Inbegriff künstlerischer Vollkommenheit Brut. 73, 257. 2) Der Schild der Athene Parthenos war bekanntlich, was Cicero sehr wol wuszte(or. 71, 234) von innen und

auszen mit kunstrcichen Figuren(der Gigantomachie und der Amazonenschlacht) verziert.

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