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dem locus classicus, der die Lesart in iure vindicarent besonders stützt, in Gai instit. comm. IV. §. 16 heiszt: si in rem agebatur, mobilia quidem et moventia, quae modo in ius adferri addu- cive possent, in iure vindicabantur ad hunc modum: qui vindicabat, festucam tenebat u. s. W. Es wird also mit dem Ausdruck, der ganz parallel steht mit agerent lege, sehr pas- send, da es sich eben um einen Eigentumsstreit handelt, diese specielle Form der legis actio, die vindicatio in iure, bezeichnet.— Was endlich die Stellung von physici betrifft. so gehört dies Wort— worauf auch die handschriſftliche Lesart vindicarentque führt— hinter vindicarent und ist, wie gleich die hinzugefügte Apposition beweist, mit absichtlichem Nachdruck ans Ende gestellt:„Philosophen von so umfaszendem Wiszen, die zugleich in der Form der Darstellung so tüchtig sind wie z. B. Anaxagoras, werden sich schwerlich von dem Redner ihr Recht streitig machen laszen.-
2.
I 51, 219. Negque rero islis tragoediis tuis, quibus uli philosophi maxime solent, Crusse, perlurbor, quod ita diæisli, neminem posse eorum mentes, qui audirent, aut inflammare dicendo aul inflammatas restinguere, cum eo maxime vis oratoris magnitadoque cernatur, nisi qui rerum ommnium naturam, mores hominum alque rationes penilus perspexerit, in quo philosophia sit oralori neces- sario percipienda.
Antonius bestreitet hier von seinem mehr praktischen Standpunkte aus ¹) den Satz, dasz der Redner auf die Seelen der Menschen nicht wirken könne, wenn er nicht zuvor philosophi- sche, insbesondere psychologische Studien gemacht habe, in directer Erwiderung auf die Be- hauptung des Crassus c. 14, 60 Quaero enim— num admoveri possit oratio ad sensus animorum atque motus vel inflammandos vel etiam exstinguendos, quod unum in oratore dominatur. sine diligentissima pervestigatione earum omnium rationum, dquae de natu- ris humani generis ac moribus a philosophis explicantur. Daher haben schon Schütz und nach ihm Bake hypomnemata schol. II. p. 100 darauf aufmerksam gemacht, dasz hier rerum omnium naturam unmöglich richtig sein könne. Auch läszt sich dieser Ausdruck nicht so vertheidigen, wie Ellendt nach Matthiä's Vorgang gethan hat: Antonius trage in iro- nischer Uebertreibung, um jene„philosophischen“ Anforderungen an den Redner zu geiszeln. absichtlich die Farben ein wenig stark auf, als verlange man, dasz der Redner auch gründliche und umfassende metaphysische Studien gemacht haben misze. Das⸗ Crassus überhaupt zu hohe Forderungen an das Studium des Redners stelle, insofern dieser AIles wiszen müsze, dagegen hatte sich Antonius bereits sowol oben c. 18, 80 ff, als eben noch c. 49, 213 ge- äuszert; jetzt kommt es ihm offenbar darauf an, auch die speciellere Behauptung, dasz der Redner seiner Hauptfunçtion wegen, auf die„rn, des Menschen zu wirken, jedenfalls ethisch- psychologische Studien gemacht haben müsze, ausführlich zu widerlegen.
Die Concession, dasz man den Redner von dem besondern wiszenschaftlichen Studium der
1) Vgl. I. 48, 208.


