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euerem bloszen ‚attisch' kommt ihr nicht aus, Attiker sind sie beide. Die selbstgenugsamen Pseudo-Attiker werden noch immer nicht losgelaszen. Auch Hegesias prätendiert ein Attiker sein, ja erst recht ein Attiker, gegen den die wahren Attiker Idioten sind; und doch wie ist sein Stil zo zerhackt und kleinlich, dasz von der Groszartigkeit des attischen Stils sich auch keine Spur mehr zeigt. Ist der auch euer Vorbild? Attiker will er sein, ihr auch: wie also stehts?— So in die äuszerste Enge getrieben wiszen sich die Pseudo-Attiker nicht anders zu helfen, als mit der Erwiderung:„wir wollen ganz allgemein den Attikern ähnlich sein.“ Gut, antwortet Cicero, also alle die genannten Redner— denn Attiker sind sie unleugbar alle— sind euere Vorbilder? Ja, antwortet der Gegner beherzt, sie sind alle unsere Vorbilder. Aber wie ist das möglich? gibt Cicero zurück, sie sind nicht nur untereinander sehr verschie- den, sondern weichen auch von den andern, die gleichfalls doch notorisch Attiker sind, wie Demosthenes, Hyperides ganz entschieden ab. Ihr müszt euch doch also ganz concret für einen bestimten Attiker entscheiden. Da nennt nun der Pseudo-Attiker, vor dem Gewicht der Gründe weichend— den Thucydides. So hängt alles aufs genaueste und beste zusammen und für die Annahme einer Interpolation liegt ein ausreichender Grund nicht vor. Was aber den Ausdruck: at est oridior betrifft: so bittet ja Cicero selbst sowol um des Gebrauchs dieser Metapher willen als ihrer Anwendung zur Charakteristik der oratorischen Persönlichkeit durch den Zusatz ut ita dicam um Entschuldigung.*) Dasz das Wort selbst in rhetorischer Be- ziehung zur Bezeichnung der besonderen stilistischen Eigentümlichkeit nichts auffal- lendes hat, beweist Ouinf. XII 10, 58, wo neben dem genus dicendi subfile(o—νν⁴σe»v und grunde (⁴mς» das floridum(dννν⁶) aufgeführt wird oder II 5, 18, wo hinsichtlich der Wahl der Lectüre für die Jugend gesagt wird: alü(probaverunt) floridius genus, ut ad alenda primarum aelatum ingenia mugis accommodatum. Wenn endlich Cicero die üblichere Phrasis illius orationes Athenas redolent hier so wendet, dasz er sagt: eæ illius oralionibus redolere ipsae Athenue ridentur, so thut er diesz absichtlich, um seinem pseudoattischen Gegner gegenüber einen recht starken Ausdruck für den dαeτνιιαιιιε des Demetrius von Phaleros zu brauchen; in wiefern aber der Ausdruck dem Gefühl widerstreben soll, ist in der That nicht wol einzusehen; er widerstrebt gewis nicht mehr und nicht weniger dem Gefühl, als die anderen Wendungen, wie Ouint. VIII 1, 3 quare si fieri polest el verba omnia et voæ huius alumnum urbis oleant, ut oralio Romana plane videatur, non civritate donala, oder VI 3, 107 qualis apud Graecos dπτιιινααιις ille redolens Achenarum proprium saporem. Ebenso sollen: 3) Brut. 37, 141 die Worte Ouo genere bis sententüs nicht von Cicero herrühren, vorerst
*) Cic. de or. III 41, 165 atque etiam, si vereare, ne paulo durior translatio esse videatur, mollienda est praeposito saepe verbo(nämlich ut ita dicam, wie diesz gleich darauf ausdrücklich angeführt wird). Eben dieses ut ita dicam beweist, dasz zu Ciceros Zeiten allerdings dieser metaphorische Gebrauch noch nicht eben üblich war; ein späterer Interpolator hätte sicher nicht ut ita dicam zu floridior gesetzt, denn hernachmals, wo die erwähnte Metapher ganz gewöhnlich wurde, konnte es einem gar nicht einfallen, eine solche Milderungstormel hinzuzufügen. 2


