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Noch günstiger freilich ist es, wenn sich eine Stelle durch Aenderung eines einzigen Buch- stabens in ihrer ursprünglichen Faszung wieder herstellen läszt. So Brut. 61, 219. Cicero führt ein eclatantes Beispiel von der Zerstreutheit und Vergeszlichkeit Curios an, der oft nicht mehr wisze, was er wenige Seiten vorher geschrieben und auch bei nochmaligem Ueberlesen die auf- fallenden Anachronismen oder sonstigen Ungereimheiten seiner Darstellungen nicht bemerkt habe, und fährt dann fort: iam qui hac parte animi, quae custos est ceterarum ingenii partium, tam debilis esset, ul ne in scriplo quidem meminisset, quid paulo aunte posuisset, huic miuime mi- rum est ex tempore dicenli solitam effluere menlem. Hier ist doch ganz offenbar, dasz hac parte animi d. h. memoria dem entgegengesetzt ist, was am Ende des Satzes steht und dasz also na- türlich nicht solikam, an dem unbegreiflicher Weise, wiewol es schlechthin keinen Sinn gibt. bisher kein einziger Herausgeber irgend welchen Anstosz genommen hat— sondern vielmehr ganz einfach solidam zu lesen ist: wer selbst in seinen schriftstellerischen Producten, wo man doch den geschriebenen Text vor sich hat und nachlesen kann, so vergeszlich war, bei dem kann es allerdings nicht mehr auffallen, dasz ihm da, wo er eæ ltempore redet, nicht blos⸗z (partiell) das eine Seelenvermögen des Gedächtnisses, sondern(total) die ganze Besinnung, das ganze Bewusztsein vollständig ausgeht, wie es dem Redner Curio eben in dem 60, 217 erwähnten Fall begegnet war. Die Bedeutung von solida mens ergibt sich hier aus dem Ge- gensatz zu pars animi; der Sinn ist hier ein anderer als in der bekannten Stelle Hor. od. III 3, 1 ff. iustum el tenacem proposili virum— non vullus inslantis lêranni mente qualil solida; der Gegensatz zu pars erinnert vielmehr an die ebenso bekannten Worte Hor. od. I 1, 20 nec par- tem solido demere de die spernit, wie solidus annus Liv. I 19, 6 das ganze, volle tropische Sonnenjahr ist, qui solsfiliali circumagilur orbe, oder usura solida ad All. VI 1, 3 die ganzen vollen Zinsen, oder solidum Ouint. 10, 105 das gesamte Schuldcapital im Gegensatz von di- midium, also einem Theil desselben.
Zu den Stellen, die dadurch verderbt sind, dasz sich vom Rand irgend eine Notiz unge- höriger Weise in den Text geschlichen hat, gehört Brul. 44, 162— eine Stelle, die in ihrer überlieferten Gestalt ein merkwürdiger Beweis davon ist, wie lange sich oft ein seltsamer Irr- tum in den Ausgaben halten kann. Cicero erwähnte im Vorhergehenden der suasio legis Ser- viliae des Redners Crassus und fährt dann fort(wie die Worte in unsern Texten lauten): sed est eliam L. Crassi in consulatu pro O. Caepione defensione iuncta non brevis ut laudatio, ut ora- lio aulem breris. Es ist erstaunlich, wie man sich mit der Erklärung von defensione iuncta ab- gemüht hat, aber immer ohne Erfolg. Unlängst hat man daher zu einer Conjectur seine Zu-


